Barriereschutzbasis, Version 2020

Die Barriereschutzbasis

Regeneration der Hautbarriere und Kontrolle des transepidermalen Wasserverlusts

Zu den wertvollsten kosmetischen Substanzen zählen Lipide, die die Barriereschicht der Haut regenerieren und oxidativen Stress durch Umwelteinflüsse, UV-Licht und Lipidoxidation mildern: native, pflanzliche Öle, Unverseifbares wie Phytosterole und Phytosterolester, Tocopherole, Phospholipide sowie Ceramide. Diese Lipide weisen teilweise einen hohen Schmelzpunkt auf, sind daher schwer zu verarbeiten und neigen zur Rekristallisation. Es gibt jedoch ein sehr einfaches Verfahren, ihre Verarbeitung zu erleichtern. Im Folgenden notiere ich für Sie die Formulierung meiner 2011 entwickelten und 2020 in ihrer Zusammensetzung aktualisierten Barriereschutzbasis (von Selbstrührern liebevoll »BSB« genannt).


Das Konzept dieser Basis zielt einmal auf eine vereinfachte Verarbeitung (das Abwiegen von Rohstoffen im Bereich von 2 Nachkommastellen entfällt, die Schmelzpunkte der Einzelkomponenten gleichen sich an) und auf die kombinierte Anwendung antioxidativ wirkender Lipide, die der Haut helfen, Wasser zu binden und ihre Barriereschicht zu regenerieren. Sie werden diese Wirkung spüren, wenn sie eine Winzigkeit der Basis auf dem Handrücken oder den Lippen verreiben: die Haut wird sofort spürbar zart und weich, Rötungen gehen zurück, rissige Haut heilt schneller.

Das Konzept der Barriereschutzbasis

Die Barriereschutzbasis bietet hautphysiologische Fette mit höherem Schmelzpunkt, die eine gestörte Hautbarriere restrukturieren und die Haut vor äußeren Einflüssen schützt.

Um ihre Wirkungsweise zu zu verstehen, hilft ein Blick in die Hautphysiologie: Voraussetzung für eine gesunde Haut ist eine intakte Barriereschicht: Lamellar aufgebaute Bilayer (Doppelmembrane) u. a. aus Ceramiden, Cholesterolen und freien Fettsäuren. In diese Matrix aus hauteigenen Lipiden eingebettet liegen die Hornzellen (Keratinozyten), wie Ziegel im Mörtel. Ihr wasserabweisender (hydrophober) Charakter sorgt dafür, dass Stoffe von außen nicht so leicht in die Haut eindringen können und hauteigenes Wasser wiederum nicht so schnell nach außen abdunstet. Trockene Hautzustände sind oft durch einen Mangel an hauteigenen Lipiden gekennzeichnet: Das kann u. a. altersbedingt oder Folge einer zu exzessiven Verwendung von Tensiden sein, die Fette aus der Hornschicht lösen und diese durchlässiger machen. Hier greift die Barriereschutzbasis mit ihrer spezifischen Zusammensetzung: Sie mindert den Wasserverlust durch die Haut, bindet Wasser in der Haut und unterstützt die Reorganisation die hauteigenen Fette der Barriereschicht.

Wie gut dieses Basis wirkt, zeigt exemplarisch folgender Erfahrungbericht, der mich (wie viele andere) per E-Mail erreichte:

Mein Mann […] hat seit Jahren immer wieder ein dishydrotisches Ekzem an den Händen das in letzter Zeit stressbedingt immer schlimmer wurde. Da Cortison nur bedingt half konnte ich ihn überreden es mal mit „selbergerührtem“ zu versuchen. Eine Mischung aus der Barriereschutzbasis und Sheabutter 1:1 zwei mal am Tag hat die Blässchen um 90 % und den Juckreiz um 100 % verringert. Zusätzlich trägt er bevor er die Hände eincremt noch Cistrosenhydrolat auf. Diese Kombination ist seit Jahren die mit Abstand hilfreichste Therapie.

Susanne K. | per E-Mail

Die Ausgangsstoffe der Barriereschutzbasis

Wir benötigen

Vor allem Neutralöl (MCT-Triglyceride) ist für seine ausgezeichneten Lösungseigenschaften bekannt. In der Barriereschutzbasis auf den Fotos habe ich Jojobaöl verwendet. Je nach Öl kann es sein, dass die Temperaturangaben in der folgenden Beschreibungen geringfügig variieren können. Phytosteryl Macadamiate ist durch seinen niedrigen Schmelzpunkt angenehm leicht zu verarbeiten, daher habe ich Avocadin® HU 25 2016 mit diesem Phytosterolester ersetzt.

Heike

Hinweis

Ascorbylpalmitat (ein fettlösliches Vitamin-C-Derivat, konkret Ascorbinsäure mit Palmitinsäure verestert) habe ich in meiner »neuen« BSB aus der Formulierung herausgenommen. Wechselwirkungen mit anderen Rohstoffen führten teilweise – je nach Formulierung – zu Verfärbungen der kosmetischen Produkte – ein Hinweis auf oxidative Reaktionen im Zusammenhang mit Ascorbylpalmitat. In jedem Fall sollten Sie Ascobylpalmitat mit Tocopherolen kombinieren, um prooxidative Wirkungen zu vermeiden.

Herstellung der Barriereschutzbasis

Phase A

  • 6,0 g stabiles Pflanzenöl (z. B. Neutralöl, Jojobaöl oder Wiesenschaumkrautöl)
  • 2,0 g Gamma-Oryzanol

Wiegen Sie Gamma-Oryzanol in ein Becherglas ein, ergänzen Sie das Öl und schmelzen Sie beides unter Rühren (mit einem Spatel, Glasstab oder, noch besser, mit einem hitzebeständigen Sensor eines Bratenthermometers) bei ca. 130 °C klar auf. Ab 90 °C beginnt die Mischung zunehmend klarer zu werden. Sie benötigen etwas Geduld, bis das Oryzanol geschmolzen ist. Pausieren Sie hin und wieder mit dem Rühren (da dies leichte Schlieren erzeugt) und prüfen Sie, ob die Masse weitgehend klar ist.

Digitales Bratenthermometer

Tipp

Ideal zur Herstellung der Barriereschutzbasis ist ein digitales Braten-Thermometer. Sie können mit dem metallenen Sensor gleichzeitig umrühren und die Temperatur kontrollieren. Am Sensor bleibt zudem wenig Produktmasse hängen. Ideal ist ein Temperaturalarm, der individuell eingestellt werden kann und die Gefahr mindert, die im Becherglas enthaltene Masse zu überhitzen.

Phase B

  • 1,0 g Ceramide

Fügen Sie mit einem Spatel die Ceramide hinzu. Sie lösen sich unter Rühren schnell und vollständig auf. Erhitzen Sie die Mischung (nur falls notwendig) noch einmal auf ca. 120 °C. Sie können das Becherglas für diesen Schritt eventuell vom Herd nehmen und auf einem Korkuntersetzer abstellen, um die Ceramide hinzuzufügen, falls die Hitze der Herdplatte für Sie zu unangenehm ist.

Phase C

  • 10,0 g Phytosteryl Macadamiate

Nehmen Sie das Becherglas nun vom Herd und geben Sie Phytosteryl Macadamiate hinzu. Rühren Sie es homogen in die Barriereschutzbasis ein. Die Temperatur sinkt schlagartig. Ein Erhitzen sollte nicht mehr notwendig sein; bei Bedarf können Sie die Masse noch einmal kurz sanft erhitzen. Lassen Sie die Mischung auf ca. 60 °C abkühlen. Ich verwende an dieser Stelle gerne einen Milchschäumer, da er die Basis homogen vermischt und für ein schnelles Abkühlen sorgt. Die Barriereschutzbasis wird zunehmend opak und verändert ihre Farbe ins Beige.

Phase D

  • optional: 1,0 g Tocopherol

Wenn Sie mögen, geben Sie nun das Tocopherol hinzu. Sie können es – das Becherglas auf einem Korkuntersetzer auf der Waage stehend – direkt hineintropfen, wenn Sie es in einer Flasche mit Tropfverschluss aufbewahren. Ein kurzes Vermischen (optimal mit dem Milchschäumer) arbeitet das Tocopherol in die Barriereschutzbasis homogen ein.

Füllen Sie anschließend die Mischung direkt in einen Tiegel und stellen Sie sie für 20 Minuten ins Tiefkühlfach, um ein homogenes Aushärten der Barriereschutzbasis zu fördern.

Barriereschutzbasis, Version 2020

So sieht die Barriereschutzbasis aus: Ausgehärtet ist sie eine glatte Masse im Tiegel, die als pastöse Masse mit dem Spatel entnommen und dosiert werden kann. Sie sollte optimal im Kühlschrank aufbewahrt werden und ist mindestens 12 Monate haltbar.

Einsatz und Wirkung der Barriereschutzbasis

In Rezepturen wird die Barriereschutzbasis in der Fettphase homogen aufgeschmolzen; bereits gering dosiert zeigt sie eine spürbar einhüllende, schützende und regenerierende Wirkung.

Die folgende Gegenüberstellung zeigt exemplarisch die Dosierung der kosmetisch wirksamen Einzelkomponenten bei einer 2%igen und einer 4%igen Dosierung der Barriereschutzbasis. Tocopherol dient hier lediglich der Stabilisierung der Basis selbst und ist daher nicht aufgeführt; das enthaltene Pflanzenöl ist in der vorhandenen Einsatzkonzentration ebenfalls nicht relevant.

Barriereschutzbasis, Version 2020

KONZENTRATION 
DER EINZELKOMPONENTEN

50 g Emulsion mit 1 g (= 2 %) BSB enthalten

  • 0,5 g Phytosteryl Macadamiate (1 %)
  • 0,05 g Ceramide (0,1 %)
  • 0,1 g Gamma-Oryzanol (0,2 %)

50 g Emulsion mit 2 g (= 4 %) BSB enthalten

  • 1,0 g Phytosteryl Macadamiate (2 %)
  • 0,1 g Ceramide (0,2 %)
  • 0,2 g Gamma-Oryzanol (0,4 %)

Wenn Sie die Barriereschutzbasis als Therapeutikum in einem heilenden Balsam pur verwenden möchten, können Sie zu Ihrer Formulierung zusätzlich 2 % Tocopherol und/oder 5 % D-Panthenol ergänzen; beide Rohstoffe sollten nach Abkühlen auf ca. 50–60 °C eingerührt werden, da sie hitzesensibel sind. Hier ist auch ein Zusatz von 0,5 % ätherischen Ölen denkbar, der die Wirkung des Balsams (je nach Wahl des ÄÖ) unterstützt. Verwenden Sie diesen Produkttyp optimal auf feuchter Haut (z. B. kombiniert mit einem geeigneten Hydrolat).

Pur ist die Barriereschutzbasis konzentrierter Heilbalsam für rissige, extrem trockene Haut und aufgesprungene Lippen, der punktuell aufgetragen werden kann.

Einsatz in folgenden KosmetikproduktenEinsatzkonzentration in %
Als Wirkstoff in Emulsionen1,0 – 4,0 %
Als Therapeutikum in Balsamen5,0 – 8,0 %
Als Zusatz in Lippen- und Lippenpflegestiften5,0 – 10,0 %
In Oleogelen3,0 – 5,0 %
In Haarpflegeprodukten0,5 – 1,0 %
Als Sofort-Therapeutikumpur (punktuell aufgetragen)
Heike
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