Tocopherol

Tocopherol

Antioxidativer, zellregenerierender Wirkstoff für trockene und reife Haut

INCI: Tocopherol

Unter der Bezeichnung »Tocopherol« werden 8 verschiedene fettlösliche Formen des Vitamin E zusammengefasst, die wir – in einem Trägeröl wie z. B. Sonnenblumen­öl gelöst – als rötliche, klare, zähfließende Substanz kaufen. Tocopherole werden synthetisch hergestellt oder aus natürlichen Ölen isoliert, als Einzel­substanz oder als Mischung mehrerer sogenannter Derivate (α-, β-, γ- und δ-Tocopherole) angeboten.

In der Kosmetik werden bevorzugt gemischte Tocopherole in einer Konzentration von 70 % eingesetzt; es gibt jedoch auch niedriger dosierte sowie bis zu 95 % aufkonzentrierte Handelsprodukte. Letztere sind schwieriger zu verarbeiten, da sie mit zunehmender Konzentration zähflüssiger werden. Synthetisches Tocopherol erkennen Sie, falls es im Shop nicht entsprechend gekennzeichnet ist, an dem Zusatz »DL« in der Bezeichnung, z. B. als » DL-α-Tocopherol«.

Tocopherol

Tocopherol

  • CAS-Nummer: 10191-41-0
  • Herkunft: natürlich oder synthetisch
  • Funktion: Wirkstoff, Antioxidans
  • Dosierung: In Emulsionen 1–5 %, therapeutisch bis 25 %. Als Antioxidans (Produktschutz) für Öle 0,01–0,05 %.
  • Kosmetische Wirkung: Antioxidans, feuchtigkeitsbindend, zellregenerierend, durchblutungsfördernd.
  • Verarbeitung: Öllöslich. Wird bei höheren Temperaturen abgebaut, optimal unter 50 °C bzw. in erkaltete Produkte (Emulsionen, Öle, Oleogele) einarbeiten.
  • Haltbarkeit: Ungeöffnet ca. 2 Jahre, geöffnet 6 – 9 Monate
  • Lagerung: Dunkel, trocken, kühl (2 – 8 °C), gut verschlossen

Wirkung und kosmetischer Einsatz

Tocopherol weist ein breites Spektrum an positiven kosmetischen Wirkungen auf. Neben seiner Fähigkeit, die Oxidation von Membranlipiden der Haut und Emulsionslipiden zu verhindern, bindet es Feuchtigkeit im Stratum Corneum, fördert durch seine zellerneuernde und entzündungshemmende Wirkung die Wundheilung und mindert Hautschäden durch UV-Strahlung. Auch hat es eine deutlich glättende Wirkung auf das Hautrelief. Tocopherol dringt leicht in die Hornschicht ein und wirkt auch in höheren Konzentrationen nicht irritierend. Allgemein gilt es als hervorragend verträglich. In der dekorativen Kosmetik fungiert Tocopherol als einer der wenigen Wirkstoffe,  da es sich durch seine Fettlöslichkeit sehr gut in Fettbasen oder einen Binder (zur Herstellung pressbarer Puderprodukte) einarbeiten lässt.

Neben reinem Tocopherol gibt es verestertes, an Essigsäure gebundenes Tocopherolacetat (CAS-Nummer 7695-91-2), das gegenüber dem reinen Vitamin E gegen Luftsauerstoff stabiler ist, aber eine bis zu 25 % geringere Wirksamkeit aufweist. Laut Empfehlungen der GDCh (Gesellschaft deutscher Chemiker) ist Tocopherolacetat nur in der wässrigen Phase verfügbar; nur dort könne es zu Tocoperol gespalten werden – in öligen Zubereitungen verbleibe es auf der Haut.

Vitamin E wirkt in einer spezifischen Weise gegen so genannte freie Radikale: Bei der Reaktion mit einem Radikal wird es selbst zu einem. Vitamin C ist in der Lage, aus diesen Radikal wieder Vitamin E »zurückzubilden«. Aus diesem Grunde werden beide Vitamine optimal kombiniert eingesetzt. Problematisch ist eine zu hohe Dosierung von Vitamin E, da es dann bei seiner beginnenden Umwandlung in Radikale zu Kettenreaktionen kommen kann; in niedriger Einsatzmenge ist Vitamin E wesentlich reaktionsträger als freie Radikale.

Die höchste biologische Wertigkeit als antioxidativ wirkendes zellschützendes Vitamin hat nach Untersuchungen der Landesanstalt für Pflanzenbau Forchheim so genanntes α-Tocopherol, den besten pflanzeneigenen Selbstschutz eines Öls vor Oxidation bieten γ- und δ-Tocopherol1. Belegt ist, dass Vitamin A in Ölen mit einem hohen Tocopherolanteil beständiger ist als in tocopherolarmen Ölen.

Verarbeitung

Tocopherol ist als Lipid fettlöslich und kann dadurch sehr gut in Emulsionen und Ölmischungen sowie Oleogelen eingearbeitet werden. Bei Temperaturen über 50 °C unterliegt Tocopherol Abbauprozessen. Daher wird es bevorzugt abgekühlten Produkten hinzugefügt. Eine kurzzeitige Erhitzung auf die für die Herstellung von Kosmetika notwendigen Temperaturen wird in der Regel toleriert (wir verwenden es u. in Lippenpflegestiften und anderen Produkten, die noch heiß sind, wenn wir es hinzufügen – hier gibt es gar keine Alternative, wenn wir die Masse in eine Form gießen wollen).

Dosierung

Klinische Untersuchungen haben eine Einsatzkonzentration von 1–2 % als ausreichend belegt. Sie kann in Emulsionen bis zu 5 % betragen, in therapeutischen Rezepturen durchaus höher (beschrieben werden Einsatz-Konzentrationen bis 25 %).

Oft werden dort verkapselte (also in Liposome verpackte) Tocopherole eingesetzt, die erst im Stratum corneum freigesetzt werden und daher auch in geringerer Konzentration in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Im Auge behalten werden sollte jedoch, dass zu hohe Tocopherol-Gaben die antioxidative Wirkung ins Gegenteil verkehren können. Ich empfehle Ihnen daher eine Einsatzkonzentration von 2–3 % in Kosmetikprodukten im Allgemeinen nicht zu überschreiten.

Toocpherole als Antioxidantien für Öle

Als reines Antioxidans für Öle sind extrem geringe Zusätze an Tocopherol empfehlenswert. Für α-Tocopherol belegen Untersuchungen Einsatzkonzentrationen von 100 ppm (0,01 %), für Tocopherol-Mischungen zwischen 340 und 660 ppm (ca. 0,03–0,06 %) als optimal wirksam5,6. Interessant ist, dass bei höherer Dosierung alle Tocopherole prooxidative Wirkungen zeigen. Da marktübliche Pflanzenöle i. d. R. bereits bei Abfüllung mit Tocopherolen stabilisiert werden (und diese wegen der unter der Deklarationsgrenze liegenden Einsatzkonzentration nicht zwingend ausgewiesen sind), rate ich Ihnen davon ab, gekaufte Öle mit einem weiteren Zusatz an Tocopherolen zu versehen, um sie vor Oxidation zu schützen: Sie erreichen vermutlich eher das Gegenteil.

Tocopherolacetat ist in Ölmischungen als Antioxidans unwirksam, da es nicht – wie in der Haut oder im Körper – enzymatisch gespalten wird – das Tocopherol bleibt durch seine Bindung inaktiv.

Quellen

  1. Landesanstalt für Pflanzenbau Forchheim (Hrsg.): Untersuchungen über die Fettsäure- und Tocopherolgehalte von Pflanzenölen. Forchheim, 2001
  2. Olaf Hölsken, Zur Vehikelabhängigkeit der Penetration von α-Tocopherolacetat in die menschliche Haut (Dissertation). Halle-Wittemberg, 2005.
  3. Dr. med. T. Eberlein, G. Kammerlander, Übersicht über relevante (»wirksame«) Inhaltsstoffe, 2002
  4. Lebensmittelchemische Gesellschaft, Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Vitamin E. In: Datenblätter zur Bewertung der Wirksamkeit von Wirkstoffen in kosmetischen Mitteln
  5. J. C. Evans, D. R. Kodali, P. B. Addis Optimal tocopherol concentrations to inhibit soybean oil oxidation. In: Journal of the American Oil Chemists‘ Society volume 79, pages 47–51 (2002)
  6. Maria Jerzykiewicz, Irmina Ćwieląg-Piasecka, Adam Jezierski: Pro- and Antioxidative Effect of α-Tocopherol on Edible Oils, Triglycerides and Fatty Acids. In: Journal of the American Oil Chemists’ Society, 2013 Jun; 90(6): 803–811.
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