Die erste Einkaufsliste

Zum Rühren einer Creme reichen zu Beginn Utensilien, die man in fast jeder Küche findet. Ich weiss jedoch aus eigener Erfahrung, wieviel Spaß es macht, von Beginn an »richtige Zutaten und Werkzeuge« zu verwenden. Sie finden daher im Folgenden Empfehlungen, die ein gutes Arbeiten ermöglichen und gleichzeitig einen Blick darauf haben, dass sich die Kosten im Rahmen halten. Manches Utensil ist auch in der Küche sinnvoll eingesetzt.

Kosmetische Rohstoffe

Öle, Buttern und Wachse

  • Wählen Sie optimal 3 oder 4 Öle aus, mit denen Sie mehrere Produkte realisieren können. Ich empfehle Ihnen dabei Öle aus verschiedenen Ölgruppen zu wählen: Die Basis bildet eine Flasche Jojobaöl. Wählen Sie dann, abhängig von Ihrem Hautzustand, ein bis zwei weitere Basisöle aus den Ölgruppen B-1 und B-2. Stöbern Sie in meinen Ölportraits und lesen Sie sich in die dortigen Beschreibungen zum kosmetischen Einsatz ein. Wundervolle, vielseitige Pflegeöle fürs Gesicht sind z. B. Arganöl (ungeröstet) und Reiskeimöl. Beide sind oxidativ relativ stabil und weisen einen erhöhten Gehalt an Linolsäure auf. Damit sind sie für jeden Hauttyp hervorragend geeignet.
  • Sheabutter, Mangobutter oder Kakaobutter wirken reichhaltig pflegend und deutlich rückfettend. Für den Beginn reicht eine von ihnen vollkommen aus.
  • Pflanzliche Wachse (alternativ Bienenwachs) sind Fette mit einem höheren Schmelzpunkt und damit bei Zimmertemperatur wachsig-fest. Sie erhöhen die Konsistenz eines Pflegeprodukts, bilden einen leichten schützenden Film und verringern den Wasserverlust der Haut. Ein sehr schönes pflanzliches Wachs ist Beerenwachs oder das ähnliche Japanwachs. Tatsächlich sind beide chemisch betrachtet Fette (wie Sheabutter, Kakaobutter u. a.), werden aufgrund ihres wachsartigen Charakters jedoch als Wachse bezeichnet. Sie sind vielseitig einsetzbar. Entscheiden Sie sich für eines in kleiner Menge; Sie benötigen nicht viel.
  • Ich lege Ihnen noch einen weiteren Rohstoff ans Herz, wenn Sie trockene, feuchtigkeitsarme oder barrieregestörte Haut haben: Phytosteryl Macadamiate.

Emulgatoren

  • Palmölfrei und sehr angenehm im Hautgefühl ist Dermofeel® GSC palm oil free (INCI: Glyceryl Stearate Citrate). Emulsan ist ein weiterer, unkomplizierter Emulgator für Einsteiger.
  • Mehr Spielraum eröffnet in jedem Fall ein zweiter Emulgator, den Sie mit dem ersten kombinieren können. Hier empfehle ich gerne eine kleine Menge BergaMuls® ET 1, Sucrosestearat (HLB 15) oder Symbioprot® M (früher Emulprot®).

Konsistenzgeber

  • Festere, kompakte Cremes erhalten Sie mit den konsistenzgebenden Fettalkoholen und Wachsestern Cetylalkohol, Cetearylalkohol oder Cetylpalmitat (als »Walratersatz« im Handel). Man kombiniert sie auf Wunsch mit den eben genannten Emulgatoren. Ich arbeite gerne mit dem palmölfreien Behenylalkohol. Er lässt sich sehr gut mit dem oben erwähnten (palmölfreien) Dermofeel® GSC palm oil free kombinieren. Auch hier gilt: Ein Konsistenzgeber reicht aus.

Wirk-/Hilfsstoffe

  • Als Basiswirkstoff empfehle ich pflanzliches Bio-Glycerin (99,5 %), ein reizfreier Wirkstoff, der effektiv Feuchtigkeit bindet und unkompliziert in der Verarbeitung ist. Sie erhalten es auch als palmölfreie Variante im Handel. Daneben eignet sich Glycerin ausgezeichnet zum Benetzen des Gelbildners. Wenn Ihre Haut viel Feuchtigkeit benötigt, lohnt sich die Investition in mein »heiliges Trio« Glycerin, Sodium PCA und Natriumlaktat. Jeweils 2%ig dosiert wirken sie synergetisch und sind wahre Feuchtigkeitsbooster. Sie sind zudem in allen Haut- und Haarpflegeprodukten sinnvoll einsetzbar. Daneben bewährt sich D-Panthenol als vielseitiger Wirkstoff für viele Einsatzbereiche.
  • Xanthan (hier vor allem Cosphaderm® X 34) ist ein unkompliziert zu verarbeitender, haptisch angenehmer Gelbildner. Sehr schön ist Siligel®, ein Gelbildner-Compound mit Lecithin, das zudem angenehme Pflegegele erzeugt. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich letzteres kaufen. Es ist teurer, ja, aber Sie benötigen nicht viel – und es macht wunderbar stabile, haptisch angenehme Produkte.
  • Reines Ethanol (Weingeist, alternativ: Wodka, Korn, Melissengeist o. a.) ist ein sehr effektives Konservierungsmittel und eignet sich zudem als Auszugsmittel für Pflanzen. Wieviel Ethanol Sie, je nach Alkoholgehalt in Volumenprozent, zur Konservierung benötigen, können Sie sich vom Konservierungsrechner ausrechnen lassen. Alternativ bietet sich ein naturkosmetik-konformes mildes Konservierungsmittel an, das auf naturidentischen Substanzen beruht und sehr zuverlässig arbeitet: Rokonsal™ BSB-N.
  • Um den pH-Wert einzustellen, benötigen Sie in der Regel Milchsäure oder Zitronensäure. Ich empfehle Ihnen erstere: Sie bindet Feuchtigkeit und bildet mit Natriumlaktat (ich habe es oben erwähnt) einen zuverlässigen pH-Wert-Puffer.

Equipment

Bechergläser und Glasschalen

Bechergläser

Zwei hitzebeständige Bechergläser á 250 ml kann man direkt auf die Herdplatte stellen (sie tun ihre Dienste in der Küche, wenn Sie doch die Lust am Selberrühren verlieren sollten). Hier habe ich Ihnen eine Liste mit den Maßen gängiger Bechergläser vorbereitet.

Glasschalen (Haushaltsbedarf)

Kleine Uhrglasschalen (aus dem Laborbedarf) und kleine Schälchen aus dem Haushaltswarenladen ermöglichen das Abwiegen der Rohstoffe, bevor sie ins Becherglas kommen.


Glasstäbe und Löffelspatel

Spatel und Löffel
  • Eventuell: 1 Glasrührstab (sein Vorteil liegt vor allem darin, dass nicht so viel daran hängen bleibt, wenn man umrührt, er sind gut zu desinfizieren und er erhitzt sich nicht so stark). Mit ihm kann man gut etwas Emulsion entnehmen und z. B. den pH-Wert mit einem entsprechenden Messpapier kontrollieren. Er kostet ca. 2 Euro.
  • 2 metallene Löffel bzw. Löffelspatel: Mit ihnen lassen sich Buttern, Lanolin und andere halbfeste Rohstoffe gut entnehmen und mit geringem Verlust ins Becherglas abstreifen. Daneben kann man die Phasen in den Bechergläsern gut umrühren. Für den Einstieg reichen entsprechende Löffelchen aus dem Haushalt. Löffelspatel bzw. Spatel aus Edelstahl erhalten Sie ab ca. 4 Euro.

Rührgerät

Sie sollten einen sehr kräftiges Rührgerät wählen, z. B. einen Stabmixer oder einen starken elektischen Handmixer mit Knethaken (ab 800–1200 rpm). Einen Überblick über aktuell beliebte Rührgeräte, ihre Vor- und Nachteile sowie jeweilige Kosten finden Sie in meinem Beitrag »Rührgeräte im Überblick«.


Thermometer

Digitales Bratenthermometer

Fettphasen benötigen je nach Emulgator bestimmte Temperaturen, damit sie zuverlässig emulgieren. Daher ist es sinnvoll, ein Tee- oder, noch besser, ein Bratenthermometer mit metallenem Sensor anzuschaffen. Beide sind küchentauglich, mit letzterem kann man auch wunderbar im Becherglas rühren (und gleichzeitig die Temperatur im Auge behalten). Sie kosten um die 10 Euro.


Feinwaage

Kernwaage EMB-600-2

Für den Einstieg reicht eine Waage, die in 1-Gramm-Teilungen wiegt. Mittelfristig sollten Sie in eine gute Feinwaage investieren. Auch sie lässt sich in der Küche einsetzen. Ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis bietet die Schulwaage EMB 500-1 der Firma Kern, die bis 500 g in 0,1-g-Schritten wiegt. Diese Waage erhalten Sie bereits ab ca. 55 Euro. Mein Favorit ist die Kern EMB 600-2, die Sie auf dem Foto sehen. Sie reagiert schneller und wiegt bis auf zwei Nachkommastellen. Kosten: ca. 140 Euro.

Einfache Feinwaagen ab ca. 10 Euro erhalten Sie von verschiedenen Anbietern. Diese sind jedoch nicht für flüssiges Wägegut konstruiert. Das bedeutet, sie gehen schnell kaputt, wenn aus Versehen etwas Öl oder Wasser in die Zwischenräume der Wägefläche gelangt. Wenn Sie noch nicht wissen, ob Sie bei diesem Hobby bleiben, kann eine solche Waage durchaus ein günstiger Einstieg sein. Ich verwende diesen Typ gerne zum Abwiegen von Pigmenten.


pH-Indikatorstäbchen

Indikatorstäbchen von Macherey-Nagel

Zum Korrigieren des pH-Werts sind pH-Indikatorstäbchen sinnvoll. Wichtig wird dies vor allem, wenn Sie mit Konservierern arbeiten, die nur in einen bestimmten pH-Wert-Bereich wirksam sind. Ich verwende bevorzugt die pH-Indikatorstäbchen Macherey-Nagel pH-Fix 3.6–6.1.
(Preis: ca. 10 Euro für 100 Stäbchen)

Die früher verwendeten pH-Messpapier-Rollen verwende ich nicht mehr. Sie sind aus meiner heutigen Sicht zu ungenau.


Lotionflaschen, Tuben, Tiegel

Ihre Produkte brauchen Behältnisse zur Aufbewahrung: Sammeln Sie leere Flaschen und Tiegel gekaufter Kosmetika und verwenden Sie sie wieder.  Alternativ gibt es im Handel verschiedene Behältnisse, die Ihre Produkte besonders gut vor Verkeimung schützen, z. B. Pumpspenderflaschen und Airlessspender.

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