Chiasamen, aus denen Chiasamenöl gepresst wird

Chiasamenöl

Das hochwirksame Öl für reife, trockene und feuchtigkeitsarme Haut

Salvia hispanica Seed Oil

Chia ist eine einjährige, krautige Pflanze aus der Familie der Lamiaceae bzw. Labiatae, der Lippenblütler oder Lippenblütengewächse. Hauptanbaugebiete dieser Salbeiart sind Mexiko, Bolivien, Argentinien, Ecuador und Guatemala; mittlerweile wird Chia jedoch auch in Thailand, den USA und Australien kultiviert. Die klimatischen Bedingungen in einigen neuen Anbaugebieten führten zu Neuzüchtungen, die u. a. an die längere Tagesdauer angepasst sind, da die alten Sorten dort keine Samen produzierten. 2021 gelang es der Universität Hohenheim in Stuttgart, mit »Juana« eine erste Sorte zu züchten, die dem deutschen Klima angepasst ist: »Der regionale Anbau auf deutschen Äckern soll auch dazu beitragen, die Umweltbelastung durch Pestizide und Kohlendioxid deutlich zu reduzieren und dazu führen, dass in Südamerika die einheimische Bevölkerung eines ihrer Grundnahrungsmittel verstärkt wieder selber nutzt.«

Während die Pflanze und ihre Samen erst seit einigen Jahren auch in Europa bekannt ist, reicht ihre Tradition als Nahrungsmittel und Opfergabe in Mittelamerika bis in die präkolumbinanische Zeit zurück. Heute wird Chia vor allem in Mexiko, in Südamerika und im Südwesten der USA konsumiert. 2009 ließ die Europäische Union Chiasamen als »Novel Food« zu, und seitdem werden die kleinen öl- und proteinreichen Körner als Brotzutat, als Nahrungsergänzungsmittel (sogenanntes »Super Food«) und extrahiert als Chiasamenöl genutzt.

Chiasamen, aus denen Chiasamenöl gepresst wird

Salvia hispanica Seed Oil

  • Wirkstofföl | Ölgruppe: W-1
  • Jodzahl: 190–210
  • Verseifungszahl: 190–220
  • Typ: trocknend
  • Spreitwert nach Olionatura®: mittelspreitend
  • Anteile an Unverseifbarem: ca. 0,4 – 1,3 %
  • (primär β-Sistosterol)
  • Anteil an Tocopherolen: stark schwankend, durchschnittlich 0,02–0,4 % (primär γ-Tocopherol)
  • Anteile an Polyphenolen: stark schwankend,
  • zwischen 0,035 mg/100 g und 2,5 mg/100 g
  • Fettsäurezusammensetzung: 
  • α-Linolensäure (ca. 59–69 %), Linolsäure (ca. 16–26 %), Ölsäure (ca. 7 %), Palmitinsäure (ca. 5,5–7 %), Stearinsäure (ca. 3–4 %)
  • Haltbarkeit (nach Anbruch des Gebindes): ca. 3 Monate
  • Kosmetischer Einsatz: Reife, trockene und sowie entzündliche Haut.

Das im Handel befindliche, hellgelbe Chiasamenöl wird mit unterschiedlichen Methoden gewonnen. Neben der Lösungsmittelextraktion mit der Soxhlet-Apparatur (z. B. mit n-Hexane oder Aceton) ist CO2-Extraktion geläufig. Beide Verfahren sind mit höheren Ölausbeuten verbunden. Die klassische Kaltpressung nicht über 30 °C mit einer Schneckenpresse erzielt die geringste Ölausbeute. Chiasamenöl für den kosmetischen Gebrauch kaufen wir in der Regel als gepresstes Öl oder als CO2-Extrakt.

Da sowohl die verwendeten Sorten als auch die Anbaubedingungen schwanken, ergeben sich sehr unterschiedliche Angaben in der Literatur hinsichtlich des Gehalts an Öl, an darin enthaltenen Fettsäuren und an lipophilen sekundären Fettbegleitstoffen – und diese wiederum abhängig von der Extraktionsmethode. Den höchsten Gehalt an der wertvollen α-Linolensäure zeigen demnach Samen aus Anbaugebieten mit relativ kaltem trockenen Klima in höher gelegenen Regionen und bei Samen zu Beginn der Reifung. In meinen Angaben zu den Inhaltsstoffen habe ich mich bemüht, schlüssige Mittelwerte zu notieren.

Inhaltsstoffe von Chiasamenöl

Die sehr kleinen, überwiegend dunklen, vereinzelt hellen Samen – die Pflanzen produzieren entweder die eine oder die andere Variante – enthalten mit durchschnittlich 33–36 % einen hohen Anteil eines Öls, das durch sein Fettsäurespektrum außergewöhnlich ist. Der extrem hohe Gehalt an der Omega-3-Fettsäure α-Linolensäure übertrifft sogar den des Leinöls. Er ist – neben dem Gehalt an der wertvollen Omega-6-Fettsäure Linolsäure – aus kosmetischer Sicht das überzeugende Argument für dieses Öl.

Angaben zu Gehalten an sogenannten Fettbegleitstoffen (Tocopherole, Phytosterole, Squalen) schwanken in der Literatur deutlich, liegen jedoch auf einem niedrigen Niveau. Auch der Gehalt an Antioxidantien ist entgegen üblicher Werbeaussagen gering: Der größte Teil der Antioxidantien ist hydrophil und geht daher bei der Gewinnung nicht ins Öl über, sondern verbleibt im Presskuchen.
Die in vielen Quellen angegebenen Gehalte an wasserlöslichen Vitaminen und Proteinen wurden (wie auch die der Antixoidantien) unreflektiert aus Analysen der gesamten Samen übernommen – im Öl selbst ist beides naturgemäß nicht enthalten.

FettsäureAnalyse1Analyse2Analyse3
Stearinsäure3,23,12,9
Palmitinsäure6,810,25,2
Ölsäure7,37,37,6
Linolsäure19,820,815,3
α-Linolensäure61,358,169,0
Quellen: 1, 2, 3 Datenbank SOFA

Aus den geringen Anteilen an Fettbegleitstoffen und dem hohen Gehalt an α-Linolensäure resultiert die begrenzte oxidative Stabilität von Chiasamenöl, der in der Industrie durch Zusatz an Antixoidantien wie Ascorbylpalmitat, natürlichen gemischten Tocopherolen und Rosmarinextrakt begegnet wird. Zuhause empfiehlt sich daher eine dunkle, gut verschlossene Lagerung des Öls bei ca. 4 °C, z. B. im Kühlschrank. Gekaufte Öle weisen sehr oft bereits einen Zusatz an Antioxidantien auf, der nicht immer deklariert ist; wir sollten daher nichts ergänzen. Im Badezimmer empfiehlt sich, kleine Gebinde fertiger Pflegeprodukte zu lagern, die innerhalb von 4–6 Wochen aufgebraucht sind.

Fettsäurespektrum von Chiasamenöl
(Salvia hispanica Seed Oil)
Fettsäurespektrum von Chiasamenöl
(Salvia hispanica Seed Oil)
Frisches Chiasamenöl, dekantiert

CHIASAMENÖL HERSTELLEN

Aufgrund der oxidativen Instabilität dieses wunderbaren Öls und weil Chiasamen heute überall (auch in Bioqualität) erhältlich sind, empfehle ich Ihnen, Chiasamenöl selbst zu pressen. Frisches Chiasamenöl riecht dezent nussig und weist keinerlei fischige Fehlaromen auf, wie sie bisweilen bei gekauften Ölen feststellbar sind.

Frisches Chiasamenöl, dekantiert, gefiltert und abgefüllt

Pressen Sie jeweils kleine Chargen von höchstes 15 ml und verwenden Sie sie in einer Ölmischung als Nachtpflege – Sie werden begeistert sein. 100 g Chiasamen ergeben nach Dekantieren und Filtern ca. 15 ml klares, goldgelbes Öl (siehe Foto).

Kosmetischer Einsatz von Chiasamenöl

Chiasamenöl zieht schnell ein und hinterlässt ein gepflegtes, angenehm weiches Hautgefühl.

Natives, frisches Chiasamenöl ist durch den extrem hohen Gehalt an der antientzündlich wirkenden α-Linolensäure ein wunderbares und hochwirksames Öl für reife, trockene, feuchtigkeitsarme und barrieregestörte Haut. In einer Studie zeigte eine Pflegecreme mit 4 % Chiasamenöl eine signifikante Erhöhung der Hautfeuchtigkeit, Juckreiz und Rötungen gingen zurück. Nachts in einer Ölmischung aufgetragen (z. B. mit Hanföl und Jojobaöl kombiniert) entfaltet Chiasamenöl seine spürbare regenerative, restrukturierende Wirkung als intensiv zellstimulierende Hautkur. Alternativ kann ein Pflegefluid oder eine Pflegecreme, mit der Barriereschutzbasis, Phospholipiden und Tocopherolen konzipiert, nachts mit wenigen Tropfen Chiasamenöl in der Handfläche angereichert werden und die Haut mit allem versorgen, was sie zur Restrukturierung und Regeneration der Hautbarriere benötigt.

Auch unreine, entzündliche Haut profitiert von Chiasamenöl: Der leichte Charakter des Öls beeinflusst den Talgfluss positiv und mindert entzündliche Prozesse. Probieren Sie ein Gesichtsöl mit Chiasamenöl und Traubenkernöl, mit Jojobaöl stabilisiert, sparsam pur nachts aufgetragen. Wenn es Ihnen angenehmer ist, kombinieren Sie den Auftrag mit einem hautberuhigenden Hydrolat.

Quellen

  1. Maira Rubi Segura-Campos, Norma Ciau-Solís, Gabriel Rosado-Rubio, Luis Chel-Guerrero, David Betancur-Ancona: Physicochemical characterization of chia (Salvia hispanica) seed oil from Yucatán, México. In: Agricultural Sciences, Vol.5 No. 3, February 2014
  2. Norlaily Mohd Ali, Swee Keong Yeap, Wan Yong Ho, Boon Kee Beh, Sheau Wei Tan and Soon Guan Tan: The Promising Future of Chia, Salvia hispanica L., in: BioMed Research International, Volume 2012
  3.  Maša Knez Hrnčič, Maja Ivanovski, Darija Cör, Željko Knez: Chia seeds (Salvia hispanica L.): an overview – Phytochemical profile, isolation methods and application. In: Molecules 2019, 24.
  4. G. Uzunova, M. Perifanova-Nemska, Zh. Petkova, St. Minkova, Kr. Nikolova: Physicochemical characteristic of chia seed oil from Peru. Bulgarian Chemical Communications, Volume 51, Special Issue D (pp. 217 – 220) 2019
  5. Se Kyoo Jeong, Hyun Jung Park, Byeong Deog Park, Il-Hwan Kim: Effectiveness of Topical Chia Seed Oil on Pruritus of End-stage Renal Disease (ESRD) Patients and Healthy Volunteers. In: Ann Dermatolactions 2010 May;22(2):143-8.
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