Soxhlet-Extraktion der Schalenwachse der Quitte

Pflanzenextrakte

INCI: Pflanzenname + Pflanzenbestandteil +  Zusatz »Extract«

Der Sammelbegriff »Pflanzenextrakt« meint hier im weitesten Sinne eine Extraktion von pflanzlichen Inhaltsstoffen aus frischen oder getrockneten Pflanzen mit verschiedenen Auszugsmitteln oder Verfahren, ohne diese an dieser Stelle näher zu definieren. Darunter fallen z. B. klassische Tinkturen, CO2-Extrakte, Glycerite und rückverdünnte Trockenextrakte.

Naturkosmetisch verbreitet sind Pflanzenextrakte auf Basis wässrig-alkoholischer oder wässrig-alkoholisch-glycerolischer Basis. Diese Auszüge können in ihrem ursprünglichen Alkoholgehalt belassen oder (durch teilweise oder völlige Entfernung des Auszugsmittels) aufkonzentriert sein. Industriell wird als hydrophiles Auszugsmittel sehr häufig Propylenglycol bevorzugt. Für unsere eigenen Extrakte bietet sich reiner unvergällter Ethanol (Trinkalkohol, Weingeist, 96 % vol.) an, aber auch Mischungen aus Ethanol, Glycerin und Wasser.

Daneben ist in den letzten Jahren das Angebot an lipophilen CO2-Extrakten deutlich gestiegen. Nicht nur Ölpflanzen, sondern unterschiedlichste Pflanzenteile dienen als Ausgangsmaterial für die überkritische CO2-Extraktion, die unter Ausschluss von Sauerstoff und ohne Temperaturbelastung sehr reine und hochkonzentrierte Extrakte erzeugt. In diesem Beitrag beziehe ich mich nur auf »klassische« (d. h. z. B. aus der Phytotherapie bekannte) Pflanzenextrakte, nicht auf durch CO2-Extraktion gewonnene fette Öle (dies hat vor allem hinsichtlich der Dosierung Relevanz).

Aus der INCI-Bezeichnung lässt sich übrigens nicht erkennen, wie der Pflanzenextrakt hergestellt wurde: Wir finden den Pflanzennamen (nach Linné), ergänzt durch die englische Bezeichnung für den Pflanzenteil und den Zusatz »Extract« (z. B. »Salvia Hispanica (Chia) Seed Extract« oder »Calendula Officinalis (Marigold) Flower Extract«).

  • Funktion: Wirkstoff
  • Dosierung: unterschiedlich,
    wässrig-ethanolische Extrakte ca. 3–5 %,
    CO2-Extrakte 0,1–5 %
  • Wirkung: abhängig von Pflanze, Pflanzenteil und Auszugsmittel
  • Verarbeitung: In das handwarme bzw. erkaltete Produkt einarbeiten.

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Wirkung und kosmetischer Einsatz

Pflanzenextrakte beinhalten – je nach Auszugsmittel – hydrophile und lipophile öllösliche Bestandteile der jeweiligen Pflanze, unter anderem Flavonoide, Carotinoide, Alkaloide, Glycoside, Saponine, einige Bitterstoffe und ätherische Öle.  Pflanzenwirkstoffe können die Haut tonisieren, die Durchblutung anregen, Entzündungen hemmen und die Haut in ihren Funktionen unterstützen.

Verarbeitung der Pflanzenextrakte

Pflanzenextrakte werden optimal in das handwarme oder erkaltete Produkt eingerührt.

Dosierung

Dosieren Sie wässrig-ethanolische bzw. wässrig-glycerolische Pflanzenextrakte in ihrer Funktion als kosmetischen Wirkstoff in der Regel nicht höher als 3–5 %. Hinsichtlich CO2-Extrakten empfiehlt sich eine Orientierung an den Angaben Ihres Lieferanten. Sie werden durch ihre Konzentration tendenziell geringer dosiert, die Angaben für einzelne Extrakte variieren jedoch sehr stark.

Der hohe Ethanolgehalt einiger Pflanzenextrakte kann auch konservierungstechnisch genutzt werden. 12–15 Vol.-% Ethanol auf die Wasserphase gerechnet garantiert bei sauberer Arbeitsweise eine ca. 4–6-wöchige Haltbarkeit der Produkte. Da der Alkoholgehalt Ihrer Extrakte in der Regel zwischen 40 und 70 Vol.-% liegt, müssen Sie, um diese Konzentration zu erreichen, entsprechend hohe Mengen einplanen. Dabei können sich Probleme mit der Stabilität der Produkte ergeben – insbesondere Emulsionen sind in dieser Hinsicht je nach gewähltem Emulgator sensibel.

Bitte berücksichtigen Sie auch, dass der Gehalt an wirksamen Pflanzenstoffen bei dieser Konzentration einer therapeutische Dosierung entspricht und nicht für normale Pflegekosmetika geeignet sind. In Produkten, die wir täglich einsetzen, sind sanfte Impulse eine bessere Strategie als hoch dosierte Wirkstoffe.

Quellen

  1. M. Augustin und Y. Hoch: Phytotherapie bei Hauterkrankungen. München: Urban & Fischer 2004
  2. Ursel Bühring: Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde. Grundlagen, Anwendung, Therapie. Stuttgart: Sonntag-Verlag, 2004

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