Magnolia Extract 98

Magnolia Extract 98

Antioxidativ, entzündungshemmend, antimikrobiell

INCI: Magnolia Officinalis Bark Extract

Der unter dem Namen Magnolia Extract 98 angebotene Rohstoff ist ein pulverisierter CO2-Rindenextrakt des Magnolienbaums und enthält mindestens 98 % zweier bioaktiver polyphenolischer Neolignane, Magnolol und Honokiol, in gleichen Anteilen. Alle in diesem Beitrag notierten Aussagen beziehen sich auf das originale Handelsprodukt und den kosmetischen Rohstoff Cosphaderm® Magnolia Extract 98 der Firma Cosphatec.

Magnolia Extract 98

Magnolia Officinalis Bark Extract

  • CAS-Nummer: 947686-05-7
  • Herkunft: pflanzlich
  • Löslichkeit: unlöslich in Wasser, löslich in Ölen, Estern, Diolen und Ethanol
  • Kosmetischer Einsatz: Als multifunktionelles Additiv mit antimikrobiellen, entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften
  • Verarbeitung: In Öl oder Pentylene Glycol lösen, dann mit der Ölphase mischen
  • Dosierung: 0,05–0,2 %
  • pH-Wert: unabhängig
  • Lagerung: Trocken, dunkel, gut verschlossen, bei Zimmertemperatur
  • Haltbarkeit: ca. 24 Monate

COSMOS | palmölfrei | Non-GMO | Vegan

Wirkung und kosmetischer Einsatz

Magnolia Extract 98 ist ein sogenanntes »Multifunctional«, d. h. ein multifunktionaler Wirkstoff, der neben seinen antimikrobiellen Wirkungen antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften aufweist. Obgleich in der Kosmetik­verordnung nicht als Konservierungsmittel gelistet, zeigt Magnolienextrakt ausgeprägte Wirkung gegen Schimmel und Hefen und eine moderate Wirkung gegen Bakterien (u. a. gegen akneauslösende Bakterien wie Propionibacterium acnes). Diese Wirkung basiert offenbar auf Veränderungen in der Durchlässigkeit (Permeabilität) mikrobieller Zellen und einer Interaktion mit Membranenzymen und Proteinen der Mikroorganismen. Als alleiniges Konservierungsmittel für Emulsionen ist Magnolia Extract 98 trotz seiner antimikrobiellen Wirkung nicht geeignet, da es sich nicht in der Wasserphase löst.

In fettbasierten Kosmetikprodukten mindert Magnolia Extract 98 die Oxidationsneigung der enthaltenen Öle und Buttern (insbesondere in Kombination mit gemischten Tocopherolen) und ergänzt sie um antientzündliche und antioxidative Eigenschaften. Tests im Ranzimat (einem Verfahren, in dem Öle einer künstlich beschleunigten Alterung durch Hitze und Sauerstoff ausgesetzt werden) haben hier bereits bei einer Einsatzkonzentration von 0,05 % eine erhöhte Stabilität nachgewiesen.

Sowohl unreine als auch reife Haut profitiert von diesem multifunktionellen Rohstoff. Daneben soll Magnolia Extract 98 in Haarpflegeprodukten laut Hersteller glättend wirken.

Verarbeitung 

Magnolia Extract 98 ist ethanol-, diol- und öllöslich. Der relativ hohe Schmelzpunkt der beiden Hauptkomponenten (87 °C für Honokiol und ca. 102 °C für Magnolol) und die Empfehlung, den Extrakt nicht höheren Temperaturen auszusetzen, lässt folgende Methoden empfehlenswert erscheinen:

  • Methode 1: Magnolia Extract 98 wird in einem Teil der Ölphase gelöst und kurz vor Emulgierung mit der Wasserphase in die erwärmte Fettphase gegeben.
  • Methode 2: Magnolia Extract 98 wird in Pentylenglycol gelöst und am Schluss in die handwarme oder kalte Emulsion eingearbeitet.

Da Magnolia Extract 98 aufgrund seiner fehlenden Löslichkeit nicht in der Wasserphase zur Verfügung steht, eignet es sich nicht als alleiniges Konservierungsmittel für rein wässrige Produkte oder Produkte mit Wasserphase bzw. Produkte, bei denen während des Gebrauchs ein Wassereintrag zu erwarten ist. In Emulsionen empfiehlt sich daher, wie in Methode 2 beschrieben, ein vorheriges Lösen mit Pentylene Glycol (Green), um eine ausreichende Verfügbarkeit in der Wasserphase einer Emulsion zu gewährleisten (wie dieser Filmbeitrag des Herstellers zeigt).

Heike

Wichtig!

In einem Blog wird ein Compound aus 3 % Pentylene Glycol und 0,2 % Magnolia Extract 98 als Konservierung für rein wässrige Produkte empfohlen. Ein Shop bietet die Rohstoffe als Set unter dem Namen »MagnoliaKons« mit eben dieser Empfehlung an. Alexandra Wohl zeigte die Ergebnisse ihrer Tests in der Rührküche, nach denen Magnolia Extract 98 nur in Wasser gelöst bleibt, wenn ein Zusatz von 25 % (!) Pentylene Glycol verwendet wird. Unterhalb dieser Konzentration fällt der Rohstoff in weißen Partikeln aus und steht in der Wasserphase nicht mehr zur Verfügung. In Emulsionen ist dies anders, da Emulgatoren als grenzflächenaktive Substanzen eine gleichmäßige Verteilung unterstützen. Meine Empfehlung lautet: Machen Sie aus dem Duo ein Trio und ergänzen Sie Glyceryl Caprylate – den Vorschlag für ein selbst hergestelltes Compound »TriKons« sehen Sie nach der Dosierungstabelle.

Dosierung

Je nach Einsatzbereich und Kombination haben sich folgende Einsatzkonzentrationen bewährt:

EinsatzbereichDosierung
Als Wirkstoff in Emulsionen0,2 %
Anti-Karies-Wirkstoff0,05 %
Anti-Akne-Wirkstoff0,05 %
Breitband-Konservierung in Emulsionen0,2 % Magnolia Extract 98
+
3 % Pentylene Glycol Green
Breitband-Konservierung1,5 – 2 % des unten beschriebenen Compounds »TriKons«

Magnolia Extract 98 in einem Konservierung-Compound

Einen ausgeprägten Breitbandschutz auch in relativ niedriger Dosierung gewährleistet die Kombination von Magnolia Extract 98 mit Pentylene Glycol (Green) und Glyceryl Caprylate (Dermosoft® GMCY). Eine Mischung aus diesen Komponenten ist unter dem Handelsnamen Cosphatec Multimeg® auf dem Markt, das mit 1,2–1.6 % (im Datenblatt sind 2 % als höchste Einsatzkonzentration notiert) dosiert wird. Gemäß INCI besteht dieses Compound aus »Glyceryl Caprylate, Pentylene Glycol, Magnolia Officinalis Bark Extract«. Das technische Datenblatt weist einen Mindestgehalt von 47 % Glyceryl Caprylate auf und beschreibt das Produkt als »clear light yellowish viscous liquid«. Ausgehend von den bekannten Höchsteinsatzkonzentrationen der Einzelkomponenten und der beschriebenen Viskosität ergibt sich daraus eine Kombination, die vermutlich aus ca. gleichen Anteilen (+/-) an Glyceryl Caprylate, Pentylene Glycol und einem Rest an Magnolia Extract 98 besteht.

TriKons in einer Pipettenflasche

Compound selbst gerührt: »TriKons«

Alle Einzelkomponenten – Glyceryl Caprylate, Pentylene Glycol und Magnolia Officinalis Bark Extract – sind für Endverbraucher auf dem Markt verfügbar. Es liegt daher nahe, alle drei in einem Compound zu kombinieren, die die Verarbeitung deutlich erleichtert. Einige Mitglieder der Rührküche haben solche individuellen Kompositionen entwickelt. Die Compounds unterscheiden sich durchaus in der Zusammensetzung und der sich daraus ergebenden Mindestkonzentration, die praktischen Erfahrungen sind – gleich welche Komposition verwendet wird – ausgesprochen positiv.

Die Komposition, die ich im folgenden vorstelle, berücksichtig die Höchstkonzentration der Ausgangskomponenten im Endprodukt und einen synergetischen Effekt, der eine niedrigere Dosierung ermöglicht. Glyceryl Caprylate wird im kosmetischen Endprodukt bis 1,0 %, Magnolia Extract 98 bis zu 0,2 % dosiert; beide erfordern optimal einen Ko-Konservierer für einen Breitbandschutz. Ich möchte Glyceryl Caprylate höchstens mit 0,5 % einsetzen. Zusätzlich möchte ich keinesfalls mehr als 2 % Konservierungsmittel einarbeiten, um im Endprodukt mit der Einsatzkonzentration des Compounds in einem Bereich zu liegen, der nicht zu hohe Mengen an kalter Flüssigkeit ins handwarme Endprodukt einbringt. Dies begrenzt den Zusatz an Pentylene Glycol, das die beiden anderen Komponenten »boostet«, also in ihrer Wirkung optimiert. Aus diesen Parametern ergibt sich folgende Mischung für 50 g TriKons, die 1,5–2 % dosiert folgende Einsatzkonzentrationen aller drei Komponenten gewährleistet:

TriKons (50 g)

KomponentenMengeEinsatzkonzentration im Endprodukt
1,5%ig dosiert
Einsatzkonzentration im Endprodukt
2%ig dosiert
Glyceryl Caprylate12,5 g
(25 %)
ca. 0,4 % auf gesamt0,5 % auf gesamt
Pentylene Glycol Green32,5 g
(65 %)
ca. 1,0 % auf gesamt1,3 % auf gesamt
Magnolia Extract 98 5,0 g
(10 %)
0,15 % auf gesamt0,2 % auf gesamt

Es ist auch möglich, zusätzlich 1–2 % Pentylene Glycol im Endprodukt zu ergänzen; durch seine ausgeprägte Hautverträglichkeit und feuchtigkeitsbindende Wirkung steht dem nichts entgegen. Dies kann z. B. sinnvoll sein, wenn die Formulierung mikrobiologisch kritische Inhaltsstoffe enthält wie Aloe-Vera-Produkte oder Proteine.

So ergänzen sich die 3 Komponenten in ihrer spezifischen antimikrobiellen Wirkung:

Wirkung gegen BakterienHefenSchimmel
Magnolia Extract 98++++
Pentylene Glycol++++
(Dermosoft® GMCY)
Glyceryl Caprylate
++++
Wirkung1: ++ sehr gut + gut ○ moderat

1 Die Einteilung folgt der Kennzeichnung in Herstellerinformationen von Cosphatec und Evonik Dr. Straetmans

Glyceryl Caprylate senkt die Grenzflächenspannung zwischen wässriger und lipophiler Phase und erhöht die Dispergierbarkeit des Compounds. Zusätzlich verstärkt es die antibakterielle Wirkung, sodass mit allen 3 Komponenten ein Breitbandschutz möglich ist.

Arbeiten Sie das Compound optimal im handwarmen Produkt ein. Vermeiden Sie ein Erhitzen über 40 °C.

Quellen

  • Infosheet » Informationen zu Cosphaderm® Magnolia Extract 98«, internes Papier, 2015
  • Technisches Datenblatt des Herstellers (Version 1.2, April 2019)
  • Cosphatec: Konservierung – alternativ und funktionell. Prospekt 2019
  • Produktkatalog von Evonik Dr. Straetmans: PRODUCT PROTECTION CATALOG 2019
  • Persönlicher Kontakt mit dem Hersteller
  • Erfahrungsaustausch mit Kosmetikherstellern und Endanwendern im Forum »Rührküche«
  • Eigene Tests in meinem Labor
Heike
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