Sucrosestearat HLB 15 (Zuckerester)

Sucrosestearat HLB 15

Der sanfte Emulgator für sensible Haut

INCI: Sucrose Stearate

Emulgatoren aus der Gruppe der Sucroseester, auch »Zuckerester« genannt, basieren auf mit Saccharose (englisch »sucrose«) veresterten Fettsäuren aus Kokos- oder Palmkernöl, die in unterschiedlichen Anteilen als Mono-, Di- und in geringem Maße auch als Tri-Ester vorliegen. Das bedeutet, dass jeweils ein, zwei oder drei veresterte Fettsäuren an einem Zuckermolekül gebunden sind. Je höher der Monoester-Anteil, desto höher ist der HLB-Wert und die Hydrophilie, also der Grad der Wasserlöslichkeit des Sucroseesters. Verschiedene Sucroseester auf dem Markt (z. B. auch solche als Emulgator für die Molekularküche angebotenen) können daher abweichende Zusammensetzungen und unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Die Herstellung erfolgt je nach Hersteller sowohl über die Umesterung als auch durch enzymatische Spaltung pflanzlicher Öle.

Hinter dem in unseren Onlineshops erhältlichen Sucrosestearat HLB 15 verbirgt sich das Handelsprodukt Sisterna SP70-C des niederländischen Herstellers Sisterna BV. Sucrosestearat HLB 15 ist zu 100 % natürlichen Ursprungs, ecocert-konform und basiert im Wesentlichen auf der langkettigen Stearinsäure (C 18:0). Es weist eine ausgeprägte Hydrophilie auf: Das naturweiße Pulver ist in Wasser, Ethanol und Glycerin löslich, nicht jedoch in Kokosöl.

Sucrosestearat HLB 15 (Zuckerester)

Sucrose Stearate

  • CAS-Nummer: 84066-95-5
  • HLB-Wert: 15
  • Schmelzpunkt: 54–62 °C
  • Funktion: O/W-Emulgator, bevorzugt Koemulgator
  • Klasse: nichtionisch
  • Dosierung: 2–5 %
  • Haltbarkeit: Gut verschlossen und bei Temperaturen zwischen 5–35 °C laut Hersteller ca. 3 Jahre

Wirkung und kosmetischer Einsatz

Sucrosestearat HLB 15 ist ein hautverträglicher, nicht irritativer, feuchtigkeitserhaltender und haptisch leichter O/W- bzw. Koemulgator mit gering ausgeprägter Filmbildung, der sich insbesondere für sanfte Reinigungs- und Pflegeemulsionen eignet. Typisch für Sucrosestearat HLB 15 ist das für Zuckerester typisch »feuchte«, cremegelartige und angenehm leichte Hautgefühl. Insbesondere sensible Haut profitiert von diesem Emulgator. Daneben lassen sich mit Sucrosestearat HLB 15 ultraleichte Emulsionen mit niedriger Konsistenz umsetzen. Je nach Kombination sind haptisch leichte bis reichhaltige Konzepte realisierbar – Sucroseester gehören zu den vielseitigsten Emulgatoren.

Sucrosestearat HLB 15 wird primär als Koemulgator eingesetzt, ist jedoch im Hinblick auf seine emulgierenden Fähigkeiten auch als Solo-Emulgator geeignet. Ich verwende Sucrosestearat HLB 15 gerne zur Stabilisierung niedrigviskoser Seren, Cremefluids und leichter Lotionen mit hoher Hautverträglichkeit.

Verarbeitung

  1. Das Sucrosestearat wird in der Wasserphase bei ca. 70 – 80 °C unter Rühren aufgelöst.
  2. Anschließend wird die gleich temperierte Fettphase (eventuell mit einem weiteren Emulgator) unter Rühren hinzugefügt und die Emulsion moderat bis auf Handwärme gerührt.
  3. Nun können hitzeempfindliche Wirkstoffe hinzugefügt und die Emulsion sanft kaltgerührt werden.
  4. Am Ende kann auf Wunsch eine Beduftung, die Konservierung und bei Bedarf eine pH-Wert-Kontrolle erfolgen.

In der heißen Wasserphase bildet Sucrosestearat flüssig-kristalline Gelphasen aus. Es ist jedoch auch möglich, Sucrosestearat HLB 15 in der Fettphase aufzuschmelzen. Empfehlenswert ist grundsätzlich ein Zusatz eines Gelbildners, z. B. Cosphaderm® X 34 oder Siligel®.

Neben dem Heißverfahren zeichnet sich Sucrosestearat HLB 15 durch die Möglichkeit der Kaltverarbeitung aus, sodass sich dieser Emulgator beim Einsatz wärmeempfindlicher, nativer Wirkstofföle anbietet. Er sollte optimal in der kalten bzw. bis auf 40 °C erwärmten Fettphase dispergiert werden.

Dosierung

Je nach Einsatzbereich und Kombination haben sich folgende Einsatzkonzentrationen bewährt:

O/W-Emulsionen im Heißverfahren2,0–3,0 %
O/W-Emulsionen im Kaltverfahren2,0–5,0 %
Ko-Emulgator für O/W-Emulsionen 1,0–2,0 %
Gel-to-Milk-Emulsionen2,0 %
Reinigungsprodukte2,0–5,0 %
Heike

Tipp

Sucrosestearat reagiert sensibel auf Säurezusatz; sie sollten den pH-Wert sehr vorsichtig einstellen, um eine Trennung der Emulsion zu vermeiden. Es bietet sich z. B. an, Milchsäure vor der Hinzugabe mit etwas Wasser zu verdünnen. Alkohol- und Säurezusatz sowie zu langes hochtouriges Rühren kann zudem die Viskosität verringern. Sucrosestearate werden bevorzugt bei moderaten Scherraten dispergiert.

Die selbst hergestellte Emulgatorbasis: »Sucrogel«

Die zuverlässigste Verarbeitungsmethode, die zudem sehr niedrige Einsatzkonzentrationen ermöglicht, ist das Herstellen eines Emulgator-Gels. Gekühlt gelagert hält es viele Wochen; es basiert auf einer Mischung aus Glycerin (ich bevorzuge 99,5 %iges pflanzliches Bio-Glycerin), Öl, Sucrosestearat HLB 15 und Wasser. Der hohe Glycerinanteil wirkt selbstkonservierend. Das Sucrosestearat-Gel wird wie folgt hergestellt:

  • 25,0 g Glycerin 99,5 % (dies entspricht ca 50 % reinem Glycerin im Gel)
  • 15,0 g Pflanzenöl (dies entspricht 30 %)
  • 5,0 g Sucrosestearat (dies entspricht 10 %)
  • 5,0 g Hydrolat oder Wasser (dies entspricht 10 %)

Es ist nicht tragisch, wenn es zu geringen Abweichungen kommt. Orientieren Sie sich an ungefähren Einsatzkonzentrationen des Glycerins zwischen 50–55 %, des Öls zwischen 25–30 %; das Sucrosestearat sollte 10 % nicht überschreiten (das Gel wird ansonsten sehr fest), der Wassergehalt ebenfalls nicht 10 % (aus Gründen der mikrobiellen Stabilität). Als Ölkomponenten eignen sich stabile Öle: Jojobaöl, Meadowfoamöl, Squalan, Neutralöl, aber auch Öle aus der Ölgruppe B-1.

Die Herstellung des Sucro-Gels ist einfach (die ordnungsgemäße Vorbereitung des Arbeitsplatzes inklusive der Desinfektion von Arbeitsplatz und Rührutensilien setze ich als gegeben voraus):

  1. Glycerin und Wasser in einem Becherglas weitgehend homogen verrühren, Sucrosestearat hinzufügen, verrühren und die Mischung anschließend auf dem Herd (eventuell im Wasserbad) auf ca. 70–80 °C erhitzen, bis das Sucrosestearat ganz aufgeschmolzen ist. Die Masse muss homogen sein (Sie können das Becherglas vom Herd nehmen und vor Ölzugabe mit Knethaken oder Flügelrührer sanft nachhelfen).
  2. Das gleich auf 70–80 °C temperierte Öl langsam zu dieser Mischung geben und sanft dispergieren, bis sich ein milchiges Cremegel bildet (Knethaken oder Flügelrührer bei niedrigen U/min. sind gut geeignet; keinen Stabmixer oder Milchschäumer verwenden).
  3. Das fertige Sucro-Gel in ein desinfiziertes Töpfchen füllen (Deckel ebenfalls desinfizieren) und mit Bezeichnung und Herstellungsdatum beschriften.

Emulsionen erzeugen Sie sehr einfach:

  1. Geben Sie die gewünschte Menge Sucro-Gel in ein Becherglas und fügen Sie langsam, tropfenweise, die Fettphase hinzu. Die Verarbeitung kann kalt erfolgen (wenn sie nur flüssige Öle verarbeiten) oder bei ca. 70–80 °C (wenn die Fettphase Buttern, Wachse, Unverseifbares usw. umfasst, die aufgeschmolzen verarbeitet werden). Dispergieren Sie die Komponenten gut. Fettphase und Sucrogel sollten idealerweise beide die gleiche Temperatur (kalt oder erhitzt) aufweisen.
  2. Nun wird die mit ca. 0,2–0,5 % Gelbildner angedickte Wasserphase ergänzt: geben Sie diese in kleinen Schlucken zur Sucro-Gel-Fettphase und arbeiten Sie diese jeweils gut ein. Emulgieren Sie anschließend ca. 2 Minuten hochtourig. Bei heißer Verarbeitung und hitzeempfindlichen Zutaten werden diese (eventuell in einem kleinen Teil der Wasserphase gelöst) bei Handwärme zugegeben.
  3. Ergänzen Sie die Konservierung (auf Wunsch eine Beduftung) und stellen Sie den pH-Wert auf ca. 5–5,5 ein.

In Emulsionen mit geringem Fettphasenanteil (bis ca. 25 %) reichen ca. 10 % Sucrosestearat-Gel, in Reinigungsprodukten sind 20 % optimal. Mit 0,2 % Gelbildner und 1 – 2 % Koemulgator (Emulprot®, Montanov™ L oder 202) erhalten Sie leicht wirkende, »feuchte« Fluids und Cremegele.

Heike
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