Symbiose aus duftendem Wachs und ätherischen Ölen

Duftbalsame mit Wachsen und ätherischen Ölen

Duftbalsame (»Solid Perfume«)

Ich liebe den Duft naturbelassener Wachse wie die würzige Honigsüße goldgelben Bienenwachses oder das florale Bouquet von Blütenwachsen der Damaszener Rose. Er inspiriert mich immer wieder aufs Neue, aus diesen duftenden Kostbarkeiten kleine wohlriechende Balsame – Solid Perfume – herzustellen, die sich wunderbar verschenken lassen. In diesem Beitrag stelle ich Ihnen vier Varianten vor. So ist die Chance groß, dass eine von ihnen eine für Sie verfügbare Wachsauswahl trifft. Duftbalsame sind in ihrem Duft im Vergleich zu alkoholbasierten Parfums subtiler und weisen eine deutlich geringere Reichweite auf, da die Wachse die Duftmoleküle binden und nur langsam abgeben. Dafür entstammt ihr Duft komplexen pflanzlichen Komponenten, die – in ihr natürliches Gesamtstoffgemisch eingebunden – nachweislich ein geringeres allergenes Potential aufweisen als aus ihnen isolierte Substanzen. Als natürliche Fixative gelten u. a. die ätherischen Öle Sandelholz, Benzoe, Patchouli oder das ätherische Öl des Abelmoschus.

Alle Varianten wurden 2024 aktualisiert.

Duftbalsame mit Wachsen und ätherischen Ölen

INCI

A | Limnanthes alba (Meadowfoam) Seed Oil, Theobroma Cacao (Cocoa) Seed Butter, Copernica Carnauba Cera, Rhus Verniciflua Peel Cera, Rosa Damascena Flower Cera, Essential Oils

B | Limnanthes alba (Meadowfoam) Seed Oil, Theobroma Cacao (Cocoa) Seed Butter, Cera Alba, Copernica Carnauba Cera, Essential Oils

C | Limnanthes alba (Meadowfoam) Seed Oil, Theobroma Cacao (Cocoa) Seed Butter, Copernica Carnauba Cera, Rhus Verniciflua Peel Cera, Essential Oils

D | Limnanthes alba (Meadowfoam) Seed Oil, Theobroma Cacao (Cocoa) Seed Butter, Helianthus Annuus Seed Cera, Rhus Verniciflua Peel Cera, Essential Oils

10 Gramm

palmölfrei

Einsteiger

Die Menge reicht für ein bis zwei kleine Tiegel zwischen 10 und 15 ml.

Alle Wachsmischungen sind so konzipiert, dass sie 25 % der gesamten Masse einnehmen und einen (errechneten theoretischen) Schmelzpunkt von ca. 70 °C aufweisen. Dieser Schmelzpunkt sagt jedoch nichts über die tatsächliche Härte und den realen Schmelzbereich der Mischung aus – siehe meine Anmerkungen bei jeder Variante unten –, da Wachse untereinander und mit den anderen Lipiden in der Formulierung jeweils spezifische Strukturen bilden, die eine Wachsmischung weicher oder härter werden lassen als es die errechnete Schmelztemperatur vermuten lassen würde. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr zu diesem Thema. Dennoch geben die beiden Parameter – der Anteil an der Gesamtmasse und der errechnete theoretische Schmelzpunkt – einen guten Ausgangspunkt für die Produktentwicklung, da die Masse in jedem Fall fest genug wird und sich dennoch gut entnehmen lässt. Wenn Sie eine der Formulierungen weiterentwickeln möchten, können Sie dies auf Basis der 4 Varianten sinnvoll tun. Meine Bemerkungen beziehen sich auf die fertig ausgehärteten Balsame 7 Tage nach der Herstellung.

Benötigte Rohstoffe für 4 Varianten

Balsam-Basis A

Balsam-Basis A nutzt den intensiven Duft des Rosenwachses als Duftbasis für die ätherischen Öle. Der Rosenduft ist deutlich wahrnehmbar. Die Oberfläche des Balsams ist geringfügig weniger glatt als z. B. die von Balsam-Variante B oder D. Ich vermute, es liegt an der spröden Struktur des Rosenwachses, das kein echtes Wachs, sondern ein sogenanntes Pseudowachs ist. Der Balsam ist zunächst hart, schmilzt jedoch bei Fingerkontakt schnell an und ist dann geschmeidig entnehmbar. Die Masse schmilzt über ca. 80 °C klar auf.

  • 3,5 g Wiesenschaumkraut- oder Jojobaöl (Vanille- oder Tonka-Mazerat)
  • 0,7 g Beerenwachs
  • 1,3 g Carnaubawachs
  • 0,5 g Rosenwachs
  • 3,0 g Kakaobutter
  • 1,0 g ätherische Öle nach Wunsch (ca. 20 Tropfen)

Balsam-Basis B

Balsam-Basis B ist ein klassischer Balsam mit Bienenwachs und Carnaubawachs. Die Masse schmilzt über ca. 82 °C klar auf. Die Masse ist nach kurzem Anschmelzen mit der Fingerkuppe »cremig« und gut entnehmbar.

  • 3,5 g Wiesenschaumkraut- oder Jojobaöl (Vanille- oder Tonka-Mazerat)
  • 1,65 g Bienenwachs
  • 0,85 g Carnaubawachs
  • 3,0 g Kakaobutter
  • 1,0 g ätherische Öle nach Wunsch (ca. 20 Tropfen)

Balsam-Basis C

Balsam-Basis C ist eine vegane Variante mit Beerenwachs und Carnaubawachs.
Die Masse schmilzt über ca. 80 °C klar auf.

  • 3,5 g Wiesenschaumkraut- oder Jojobaöl (Vanille- oder Tonka-Mazerat)
  • 1,0 g Beerenwachs
  • 1,5 g Carnaubawachs
  • 3,0 g Kakaobutter
  • 1,0 g ätherische Öle nach Wunsch (ca. 20 Tropfen)

Balsam-Basis D

Balsam-Basis D ist eine vegane Variante mit Beerenwachs und Sonnenblumenwachs. Diese Formulierung schmilzt über 90 °C klar auf, ist nach dem Aushärten jedoch optisch angenehm glatt und erstaunlich weich-cremig bei der Entnahme.

  • 3,5 g Wiesenschaumkraut- oder Jojobaöl (Vanille- oder Tonka-Mazerat)
  • 0,7 g Beerenwachs
  • 1,8 g Sonnenblumenwachs
  • 3,0 g Kakaobutter
  • 1,0 g ätherische Öle nach Wunsch (ca. 20 Tropfen)

Herstellung für alle 4 Varianten

Schmelzen Sie das Öl, die Kakaobutter und die Wachse auf dem Herd sanft homogen und klar auf. Hinweise zum jeweiligen beobachteten Schmelzbereich finden Sie bei den einzelnen Varianten notiert – sie weicht deutlich von der errechneten Temperatur ab.

Nehmen Sie das Glas vom Herd und rühren Sie die Masse ohne Pause mit einem Spatel bis auf ca. 65 °C homogen auf. Eine Ausnahme bildet Variante D; hier sollte die Temperatur ca. 75 °C betragen. Tropfen Sie die ätherische Öle bzw. eine vorher vorbereitete Mischung in die Masse. Rühren Sie sie gut ein und füllen Sie die Masse schnell in vorbereitende Dosen oder kleine Tiegel.

Anschließend werden die Behältnisse ohne Deckel für 10 Minuten ins Tiefkühlfach gestellt, um schnell auszuhärten. Lassen Sie die Duftbalsame bei Zimmertemperatur mindestens 2 Tage nachhärten (die Kakaobutter braucht 24–48 Stunden), zudem verbinden sich alle Duftaromen zu einem Ganzen. Wenn Sie Zeit haben, warten Sie eine Woche, bis Sie die Balsame verschenken.

Hinweise zu den Formulierungen

Auswahl und Dosierung der ätherischen Öle

Duftbalsame können auf einem ätherischen Öl basieren oder mit einer Ätherisch-Öl-Mischung realisiert werden. Wer unsicher ist, kann auf eine der im Handel angebotenen fertigen Kompositionen zurückgreifen.

Die Dosierung der Duftkomponenten ist auf die Funktion des Produkts ausgerichtet und entspricht in meinen Rezepturen ca. 10 %. Dies ist deutlich niedriger als die Empfehlungen aus dem wunderbaren Büchlein »Naturparfumführer« von Fred Wollner. Für ein echtes Parfum empfiehlt er 15–25 % an ätherischen Ölen. Da Duftbalsame nur punktuell und gezielt als Parfum aufgetragen werden – auf den Handgelenken, im Nacken, auf den Schultern – ist eine höhere Dosierung in der Regel akzeptabel; meine 10%ige Dosierung sollte gut verträglich sein. Sind Ihnen Allergien bekannt, testen Sie Duftbalsame zunächst auf dem Unterarm; auch natürliche Substanzen können in seltenen Fällen Hautreaktionen auslösen. Es steht Ihnen frei, die Dosierung geringer zu wählen und z. B. mit 5 % zu arbeiten.

Da Tropfer nicht immer identische Mengen abgeben und auch ätherische Öle unterschiedliche Viskosität aufweisen, ist die angegebene Tropfenzahl lediglich ein Anhaltspunkt. Optimal tropfen Sie die Öle auf eine Feinwaage in die Masse und wiegen 1 g ab.

Das Konzept der Basisformulierungen

Die folgenden Rezepte variieren eine Basis aus einem duftenden Vanille- oder Tonka-Ölmazerat, Kakaobutter und Wachsen, sodass Sie je nach verfügbaren Rohstoffen Ihren persönlichen Favoriten aussuchen können. Mazerate sind leicht hergestellt und schenken allen Balsamen einen wunderbar weichen Grundton.

Die feste Konsistenz des Balsams wird durch die Wachskomposition gestaltet. Auch mit Bienenwachs alleine ergeben sich bei Zimmertemperatur feste Balsame. Damit die Masse nicht zu schnell schmilzt, benötigen Sie jedoch höhere Anteile, meistens um die 30 % – dies führt gleichzeitig zu einem verminderten Payoff, also einer reduzierten Produktabgabe. Wachsmischungen sind grundsätzlich besser geeignet, einen hohen Schmelzpunkt mit niedrigerer Einsatzkonzentration zu kombinieren, weil sich Wachse in der Ausbildung kristalliner Netzwerke sowie der Ölbindung unterstützen können. Insbesondere bei höheren Temperaturen, wie sie im Sommer schnell auftreten, ermöglicht der Zusatz an Carnaubawachs, Sonnenblumenwachs oder Reiskleiewachs Produkte mit verbessertem Ölbindevermögen und optimierter Hitzeresistenz. Daher finden Sie auf Olionatura.de grundsätzlich auf Wachsmischungen basierende Formulierungen.

Ich habe mich für Kakaobutter entschieden, weil ihr spezifisches Schmelzverhalten dem Balsam eine sehr schöne Textur gibt: Hart im Töpfchen, beim Berühren mit der Fingerkuppe plötzlich zart schmelzend. Wer den charakteristischen Grundton nicht mag, verwendet raffinierte Kakaobutter.

Wiesenschaumkrautöl ist ein extrem oxidativ stabiles Pflanzenöl, das in der Regel raffiniert angeboten wird und daher eine neutrale Duftbasis darstellt. Eine ausgezeichnete Alternative ist Jojobaöl, ebenfalls oxidativ stabil, duftneutral und – anders als Wiesenschaumkrautöl – chemisch betrachtet ein flüssiges Wachs. Beide sorgen für eine sehr gute Haltbarkeit des Balsams, der naturgemäß viele Monate in Verwendung ist. Beide Öle eignen sich hervorragend als Basisöl für Mazerate mit Vanille oder Tonkabohnen. Verzichten Sie auf das in vielen Quellen empfohlene Mandelöl – es kann innerhalb von 6 Monaten bei Zimmertemperatur ranzig werden und unangenehme Duftnoten entwickeln.

Duftbalsame mit Wachsen und ätherischen Ölen

Duftende Geschenke

Besonders kostbar wirken Duftbalsame in kleinen satinierten oder opalen Glastiegeln; die angegebenen 10 g füllen sehr gut ein bis zwei Tiegel mit einem Volumen von 10–15 ml. Eine Alternative sind kleine Aluminiumdöschen. In ein Satinbeutelchen mit einigen getrockneten Blüten oder Gewürzen verpackt (je nachdem, welchen Duftakkord Sie gewählt haben), sind sie liebevolle kleine Geschenke für Menschen, die uns wichtig sind.

Meine Duftmischung

Meine ganz persönliche, orientalisch inspirierte Duftmischung will ich Ihnen nicht vorenthalten. Vermutlich entspricht sie nicht dem, was eine geschulte Nase zusammenstellen würde, aber ich habe sie vor Jahren einmal für mich »entdeckt« und verwende sie für Körperöle, Körperlotionen und Balsame. In Verbindung mit dem Vanilleauszug entsteht ein sehr weiblicher, zärtlicher Duft. Das ätherische Lotusöl »erdet« die süßen, blumigen Nuancen der anderen Blütenöle und rundet die Mischung nach meinem Empfinden wunderbar ab. Die Menge ergibt ca. 5 ml – und ist Luxus pur, ich weiß.

  • 36 Tropfen Ylang-Ylang
  • 36 Tropfen Damaszener Rose
  • 24 Tropfen Lotus Blau

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Autorenbild © Heike Käser | Olionatura®