Pflanzenfettsäuren im Detail

Dossier »Öle kombinieren« · Teil 4

Die kosmetischen Eigenschaften pflanzlicher Öle wird u. a. durch ihr spezifisches Fettsäuremuster geprägt. In diesem Beitrag möchte ich Ihnen die Charakteristiken der am häufigsten vertretenen Pflanzenfettsäuren skizzieren. Die Kurzportraits werden Ihnen in Zukunft helfen, Pflanzenöle noch besser einschätzen und auswählen zu können.

Ölsäure

Mandelkerne
  • Kürzel: C18:1 Δ9
  • Chemische Bezeichnung: cis-9-Oktadecensäure
  • Schmelzpunkt: 13,4 °C
  • Typ: einfach ungesättigte Fettsäure
  • Omega-9-Fettsäure

Links: Mandelkerne

Ölsäurehaltige Öle lassen sich gut verteilen und erzeugen ein weiches, gepflegtes Hautgefühl. Belegt ist die Fähigkeit einfach ungesättigter Fettsäuren wie der Ölsäure, die Lipidbarriere der Haut aufnahmefähiger für lipophile (fettlösliche) Wirkstoffe zu machen. Grund dafür ist ihre spezifische Struktur mit der Cis-Doppelbindung in der Mitte der C-Kette am 9. C-Atom, eine so genannte raumgreifende Kinkenstruktur, die Zellmembrane und strukturell »auflockert«.

Öle mit einem hohen Anteil an Ölsäure wirken daher als so genannte Enhancer für andere Stoffe, während linolsäurereiche Öle schnell, jedoch in der Regel nicht tief penetrieren. Gute Massageöle sind ölsäurebetont; sie ziehen gut und tief, aber nicht so schnell in die Haut ein, so dass sie einen angenehmen Auftrag und gute Verteilbarkeit ermöglichen. Klassisches Beispiel ist Mandelöl. Diese Förderung der Penetrationsfähigkeit durch betont ölsäurehaltige Öle muss sorgsam ausbalanciert werden, damit die Integrität der Hautbarriere nicht leidet.

In Emulsionen bewirken ölsäurebetonte Öle ein angenehm sattes, reichhaltiges Hautgefühl. Sie eignen sich sehr gut für leicht rückfettende Körperöle, Körperlotionen und Reinigungsmilch.

Linolsäure

Sonnenblumenkerne, aus denen Sonnenblumenöl gepresst wird
  • Kürzel: C18:2
  • Chemische Bezeichnung: 9, 12-Octadecadiensäure
  • Schmelzpunkt: -5 °C
  • Typ: 2-fach ungesättigte Fettsäure
  • Omega-6-Fettsäure

Links: Sonnenblumenkerne

Linolsäurehaltige Öle sind mit ihrer glättenden und stabilisierenden Wirkung auf die Barriereschicht des Stratum Corneum wesentlich für eine gesunde Haut, insbesondere jedoch für trockene, schuppige, barrieregestörte Haut. Linolsäure ist wesentlicher Bestandteil der Stratum-Corneum-Lipide: Sie ist chemisch an das Ceramid I gebunden, einer der lipiden Barrierestoffe des Stratum Corneum. Äußerlich aufgetragen, wird sie nachweislich in Ceramide 1 eingebaut. Dieses Ceramid 1 besitzt eine außergewöhnliche Moleküllänge und ragt damit in benachbarte Lipidmembrane hinein, sodass die Lipiddoppelschichten in ihrer Struktur stabilisiert werden. In Folge wird die Barriere gestärkt, die Hautrauigkeit vermindert und trans-epidermaler Wasserverlust reduziert. Wie auch α- und γ-Linolensäure wird sie in der Haut durch ein hauteigenes Enzym, die 15-Lipoxygenase, in eine entzündungshemmende Hydroxyfettsäure umgewandelt.

Forschungsergebnisse belegen eindeutig, dass Linolsäure nicht nur innerlich eingenommen wirkt, sondern auch – vor allem in Kombination mit γ-Linolensäure – neurodermitische Hautzustände deutlich bessern kann. In verschiedenen Doppelblindstudien führten z. B. Emulsionen mit Nachtkerzenöl zu deutlicher Steigerung der Hautfeuchtigkeit, einer Abheilung von Ekzemen und einer Abnahme der Hautrauigkeit. Linolsäure ist hinsichtlich ihrer barriereschutzfördernden Wirkung der perfekte Gegenspieler zur penetrationsfördernden Ölsäure, die die Hautbarriere durchlässiger macht.

Linolsäurebetonte Öle wirken im Hautgefühl im Allgemeinen leicht; sie ziehen schnell ein und wirken pur und in Emulsionen kaum fettend. Bei fettiger Haut mit Neigung zu Komedonen und Unreinheiten können linolsäurehaltige Öle das Hautbild deutlich verbessern. Ihre barriereschützende Wirkung erzielen sie in der Haut, nicht als fettende Barriere von außen. Dennoch sind sie sowohl für trockene als auch für fettende Hautzustände geeignet, sie sollten nur entsprechend kombiniert werden: Fettige, zu Unreinheiten neigende Haut profitiert von linolsäurebetonten Ölmischungen, trockene, barrieregestörte Haut von einer ausgewogenen Komposition mit Palmitoleinsäure und Phytosterolen, insbesondere in der kalten Jahreszeit.

γ-Linolensäure

  • Kürzel: C18:3
  • Chemische Bezeichnung: 6, 9, 12-Octadecatriensäure
  • Schmelzpunkt: -18 °C
  • Typ: 3-fach ungesättigte Fettsäure
  • Omega-6-Fettsäure

Links: Nachtkerzensamen

γ-Linolensäure (»Gamma-Linolensäure« gesprochen) ist eine Vorstufe weiterer essentieller Substanzen im Körper (u. a. sog. Prostaglandine, die eine wesentliche Rolle bei der Bekämpfung entzündlicher Prozesse spielen). Nachweislich wirkt γ-Linolensäure nicht nur innerlich eingenommen, sondern auch äußerlich auf die Haut (also topisch) aufgetragen, regenerierend, entzündungshemmend und juckreizstillend. Weiterhin ist sie Bestandteil der Zellmebranen, die durch die mehrfach ungesättigte Fettsäure mit ihrer verwinkelten, beweglichen Molekülstruktur fluidisiert werden, d. h. an Geschmeidigkeit gewinnen, so dass hauteigene Stoffwechselprozesse (Stofftransporte in die Zellen und aus den Zellen heraus) ungestört ablaufen können.

Sie ist nur in wenigen Ölen in erwähnenswerter Menge enthalten, z. B. in Borretschöl, Nachtkerzen- und Johannisbeersamenöl. Öle mit einem hohen Anteil an γ-Linolensäure ergeben Emulsionen mit eher leichter Konsistenz, da ihr Schmelzpunkt sehr niedrig liegt; ihre Wirkung erzielen sie durch mittelfristige Veränderungen in der Haut. Anders als bei der α-Linolensäure, die in einigen wenigen Ölen in sehr hohen Werten vorkommt, ist der Gehalt an γ-Linolensäure in den spezifischen Ölen nicht ganz so ausgeprägt; auch wirkt diese Fettsäure beruhigend, so dass die Dosierung nicht so vorsichtig erfolgen muss wie bei α-linolenbetonten Ölen. Sie ist für verschiedene Hautbilder eine Wohltat; ausschlaggebend ist die Kombination. Mit linolsäure-dominierten Ölen und etwas Unverseifbarem gemischt hilft sie bei Verhornungsstörungen und fettender Haut; in ausgewogenen Mischungen mit Öl-, Palmitoleinsäure, Unverseifbarem und gesättigten Fettsäuren hilft sie barrieregestörter Haut, wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

α-Linolensäure

Chiasamen, aus denen Chiasamenöl gepresst wird
  • Kürzel: C18:3
  • Chemische Bezeichnung: 9, 12, 15-Octadecatriensäure
  • Schmelzpunkt: -11 °C
  • Typ: 3-fach ungesättigte Fettsäure
  • Omega-3-Fettsäure

Links: Chiasamen

Die seltene α-Linolensäure (»Alpha-Linolensäure« gesprochen) ist essentiell, d. h. sie kann vom Körper nicht selbst hergestellt werden. Viele Studien belegen ihre entzündungshemmende, juckreizstillende und regenerierende Wirkung auf die Haut. Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren weisen, bedingt durch ihre beweglichen Doppelbindungen, eine stark fluidisierende Wirkung auf Zellmembrane aus, halten sie geschmeidig und ermöglichen den ungestörten Ablauf zellerneuernder und regenerativer Prozesse in besonderer Weise. Typisch für Öle mit einem hohen Anteil an α-Linolensäure ist das ausgesprochen weiche, zarte Hautgefühl, das sie bewirken.

Öle mit hohem Gehalt an α-Linolensäure (Wildrosen-, Chia-, Sacha Inchi-, Hanf-, Sanddornkernöl u. a.) fördern die Neubildung von Zellen und aktiveren den Hautstoffwechsel. Aus diesem Grund sind sie prädestiniert für den Einsatz in Anti Aging-Rezepturen bei reifer und fahler Haut, bei der altersbedingt Stoffwechselprozesse verlangsamt ablaufen.

Im kosmetischen Einsatz ergeben Öle mit einem hohen Anteil an α-Linolensäure Emulsionen mit eher leichter Konsistenz, die schnell einziehen, da ihr Schmelzpunkt sehr niedrig liegt. Sie sind stark aktivierende und hauteigene Prozesse anregende Öle, daher sollten Sie gezielt und bewusst eingesetzt werden, wenn Sie zu sensiblen Hautreaktionen neigen. In moderater Dosierung (5–10 % auf alle Öle und Pflanzenbuttern gerechnet, in Nachtpflegeprodukten bis 30 %) zählen sie zu den wirksamsten Hautpflegemitteln, über die wir verfügen.

Stearinsäure

  • Kürzel: C18:0
  • Chemische Bezeichnung: Octadecansäure
  • Schmelzpunkt: 69,6 °C
  • Typ: Gesättigte Fettsäure

Links: Sheabutter

Stearinsäure ist eine gesättigte Fettsäure und mit ca. 10 % Bestandteil der Stratum Corneum- und der Talgdrüsen-Lipide. Öle mit hohem Anteil an Stearinsäure (und anderen gesättigten Fettsäuren) wirken abschirmend, ergänzen den Hydro-Lipid-Mantel und schützen die Haut vor äußeren Einflüssen; auch wirken sie konsistenzgebend in Emulsionen. Sie wird in Rezepturen auch isoliert als Konsistenzgeber verwendet. Stearinsäure gilt allgemein als gut verträglich; es wird ihr jedoch eine gewisse komedogene Wirkung nachgesagt, wenn die Veranlagung dazu da ist. Eine Ursache ist möglicherweise ihre Eigenschaft, die Zellmembrane innerhalb der Lipidlayer im Statum Corneum zu festigen und weniger flexibel zu machen, sodass der Talg bei sehr fettiger Haut nicht so leicht abfließen kann.

Palmitinsäure

Kakaobutter in Holzschale
  • Kürzel: C16:0
  • Chemische Bezeichnung: Hexadecansäure
  • Schmelzpunkt: 63 °C
  • Typ: Gesättigte Fettsäure

Links: Kakaobutter

Palmitinsäure stellt mit ca. 37 % den höchsten Anteil an den Fettsäuren in den Bilayern des Stratum Corneum. Da sich ihr Anteil mit zunehmendem Lebensalter verringert, werden palmitinsäurereiche Öle gerne in Rezepturen für reife Haut eingesetzt. Ähnlich wie Stearinsäure bildet sie einen dünnen, allerdings haptisch leichteren Schutzfilm auf der Haut, der die Abdunstung hauteigenen Wassers mindert, ohne sie okklusiv abzudichten. Öle mit hohem Palmitinsäuregehalt und Gehalt an anderen gesättigten Fettsäuren wirken durch ihren hohen Schmelzpunkt leicht konsistenzgebend und schützend bei sensibler, trockener Haut.

Palmitoleinsäure

Macadamianussöl wird aus diesen Nüssen gepresst
  • Kürzel: C16:1
  • Chemische Bezeichnung: 9-Hexadecensäure
  • Schmelzpunkt: 0,5 °C
  • Typ: einfach ungesättigte Fettsäure
  • Omega-7-Fettsäure

Links: Macadamianüsse

Palmitoleinsäure ist mit ca. 4 % Bestandteil der hauteigenen Lipide im Stratum Corneum und gilt als ausgesprochen verträglich und hautphysiologisch wertvoll. Nur wenige pflanzliche Öle weisen einen nennenswerten Gehalt an dieser Fettsäure auf: Sanddornfruchtfleischöl, Avellanaöl, Macadamianussöl und Avocadoöl; primär ist sie in tierischen Fetten enthalten. Palmitoleinsäure wirkt regenerationsfördernd und wird gerne in Präparaten für sehr trockene und reife Haut eingesetzt; Macadamianussöl gilt in Haar- und Hautpflegeprodukten als wirksamer Ersatz für Minköl (Nerzöl).

Auffallend ist, dass ein nenneswerter Anteil an Palmitoleinsäure nur in Ölen zu finden ist, die ölsäure-betont sind. Öle mit hohem Palmitoleinsäuregehalt besitzen ein gutes Spreitvermögen und dringen, ähnlich wie die Ölsäure, leicht in die Haut ein. Ihre »Kopplung« an Ölsäure und gesättigten Fettsäuren führt in Emulsionen zu geschmeidigen, stark hydratisierenden und pflegenden Rezepturen für spröde, feuchtigkeits- und fettarme Hautzustände.

Laurinsäure

Natives Kokosöl
  • Kürzel: C12:0
  • Chemische Bezeichnung: Dodecansäure
  • Schmelzpunkt: 44 °C
  • Typ: Gesättigte Fettsäure

Links: Kokosöl

Den höchsten Gehalt an Laurinsäure weisen Babassu- und Kokosöl auf. Laurinsäure wird eine stark antimikrobielle und pilztötende Wirkung nachgesagt. Öle mit ausgeprägtem Laurinsäureanteil haben aufgrund ihres niedrigen Schmelzpunktes eine leicht konsistenzmindernde Wirkung in Emulsionen. Sie sind hervorragende Spreiter und breiten sich schnell auf der Haut aus. In Emulsionen sorgen sie für ein glattes, weiches Hautgefühl. 10 % an der Fettphase runden vor allem Pflegeprodukte, die großflächig aufgetragen werden, im Hinblick auf das Auftragsverhalten wunderbar ab.

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