Creme mit Aloe Vera und Heidelbeeren

Pflege-Strategien
für die kalte Jahreszeit

Formulierungen für den Winter

Wenn die Tage kürzer werden, ist es Zeit für schützende und Feuchtigkeit bindende Formulierungen, die der Haut helfen, Kälte und trockener Heizungsluft zu trotzen. In diesem Beitrag möchte ich Ihnen Möglichkeiten aufzeigen, Pflegeprodukte zu planen, die der Haut über die dunkle, kalte Jahreszeit helfen.

Dieser Beitrag wurde am 12.10.2012 zum ersten Mal veröffentlicht.
Am 11.10.2020 erfolgte eine Überarbeitung, Aktualisierung und Ergänzung des Inhalts.


In der kalten Jahreszeit ergibt sich eine besondere Situation für unsere Haut: Die sinkenden Temperaturen verfestigen das Hautsebum und bewirken in Folge seine schlechtere Spreitung auf der Hautoberfläche; Lücken im Hydro-Lipid-Film lassen hauteigenes Wasser schneller verdunsten. Trockene Heizungsluft, d. h. geringe relative Luftfeuchtigkeit in Innenräumen verstärkt den transepidermalen Wasserverlust. Die im Sommer effektiv Feuchtigkeit bindenden, niedermolekularen Substanzen wie Glycerin, Sodium PCA und Natriumlaktat sind in diesem Kontext alleine nicht mehr ausreichend wirksam, weil ihre wasserbindenden Fähigkeiten relativ zur sinkenden relativen Luftfeuchtigkeit abnehmen. Dies gilt insbesonder für typische, wasserbetonte Feuchtigkeitscremes, die aufgrund ihrer angenehmen Haptik von Verbraucherinnen bevorzugt werden. Eine typische Reaktion ist in diesem Fall das Bedürfnis, häufiger nachzucremen – mit fatalen Folgen: Verdunstet das Wasser aus einer solchen Emulsion, konzentrieren sich die gelösten Wirkstoffe in der Epidermis auf und können die Neigung zu Hautirritationen verstärken. Rötungen und Juckreiz sind die Folge. Bewährte Klassiker in der Riege der »Wintercremes« sind W/O-Emulsionen auf Basis von Lanolin, Bienenwachs und Öl – perfekt für alle, die reichhaltige Formulierungen schätzen. Ich tue es nicht, und ich kenne viele Frauen, die sich auch in Herbst und Winter Pflegeprodukte mit haptisch leichter und dennoch schützender Textur wünschen. Dies ist kein Widerspruch – wir können solche Produkte planen.

Hautpflege im Winter

In der kalten Jahreszeit muss das gesamte Pflegekonzept angepasst werden, und dies bedeutet, neben feuchtigkeitsbindenden Substanzen barriereschicht-regenerierende, leicht okklusiv (d. h. abdichtend) wirkende Lipide einzuplanen, die das Wasser in der Haut halten. Dies gilt insbesondere dann, wenn man – wie ich – keine hohen Fettphasen im Gesicht erträgt. Das, was an Menge fehlt, muss dort eine sorgfältige Planung der verwendeten Fettkomponenten ausgeglichen werden. Das bedeutet konkret:

  1. Heben Sie die Fettphase Ihres bewährten Pflegeprodukts leicht an. Für normale Produkte, die Sie bevorzugt in Innenräumen und in kurzen Aufenthalten im Freien verwenden (ich grenze diese bewusst von wasserarmen Hautschutzprodukten für lange Winterspaziergänge im Freien ab!), reicht eine Fettphasenerhöhung auf ca. 25–30 %, wenn Sie im Sommer mit leichten Fluids zurecht gekommen sind. Das Fettsäurespektrum Ihrer Ölmischung sollte im Vergleich zu den Sommer-Rezepturen mehr Palmitinsäure mit Anteilen an unverseifbaren Bestandteilen und Palmitoleinsäure einplanen. Sehr schöne Winteröle sind u. a. Avocadoöl, Marulaöl, Macadamianussöl, Baobaböl und Jojobaöl. Ein Zusatz an schützender Sheabutter, alternativ 1–2 % Phytosteryl Macadamiate oder Lanolin sollte, wenn möglich, nicht fehlen. Nachts wird diese Emulsion mit linolsäurereichen, regenerierenden Ölen in der Handfläche angereichert – das ist mein Pflegekonzept seit Jahren.
    Wer ganzjährig fettreiche Emulsionen bevorzugt, muss sich nicht umstellen und orientiert sich selbstverständlich an der bewährten Fettphasenhöhe.
  2. Verwenden Sie als Wirkstoffzusatz unbedingt Fettstoffe, die einen hohen Schmelzpunkt haben, sich an die Hornzellen in der Epidermis binden und die Haut nach außen leicht abschirmen. In diesem Kontext empfehle ich Ihnen meine bewährte Barriereschutzbasis – sie kombiniert schützende Ceramide sowie feuchtigkeitsbindende Phytosterole mit antioxidativ wirkender Ferulasäureestern aus Reiskeimöl und mit Palmitinsäure verestertem Vitamin C. Ich verwende sie im Winter 1%ig, Sie können sie nach Wunsch auch höher dosieren. Wer die Barriereschutzbasis nimmt, kann eventuell auf Buttern verzichten. Bei sehr trockener Haut ist ein Zusatz von 0,5 % Wachs eventuell eine gute Wahl – Mimosenwachs ist, niedrig dosiert, haptisch absolut »unwachsig«, versuchen Sie es einmal!
  3. Kombinieren Sie in der Wirkstoffphase niedermolekulare Feuchtigkeitsbinder mit hochmolekularen. Das bedeutet konkret: Planen Sie eine sinnvolle Zusammenstellung an bewährten Hydratisierern wie Glycerin, Sodium PCA, Urea, Natriumlaktat, Glycinbetain usw. und ergänzen Sie sie mit Xanthan, normaler (hochmolekularer) Hyaluronsäure oder einem anderen Polysaccharid. Grund: Letzere bilden einen feinen, elastischen Film auf der Haut, der das Wasser auch bei niedriger Luftfeuchtigkeit in der Haut hält, wenn die niedermolekularen Wirkstoffe ihre Fähigkeit zur Feuchtigkeitsbindung verlieren. In Kaufkosmetik finden Sie z. B. sehr gerne nieder-  mit hochmolekularer Hyaluronsäure kombiniert. Nun kennen Sie den Grund: Beide decken verschiedene Anwendungssituationen in einem weit gefassten relativen Luftfeuchtigkeitsspektrum ab. Tipp: Alternativen zu Xanthan sind Bergamuls® ET-1 (mit 1–2 %) und Siligel® (0,5–1 %), wobei letzteres durch das Coating mit Lecithin nicht nur kosmetisch, sondern auch haptisch überzeugt. 

Meine Basisrezeptur für eine Pflegeemulsion

Verstehen Sie bitte die folgende, im Oktober 2020 aktualisierte Basisrezeptur als Vorschlag. Sie variiert ein Emulsionskonzept, das sich bei mir und einigen anderen Frauen mit trockener, feuchtigkeitsarmer Haut mittlerweile seit Jahren sehr bewährt. Ich habe die Grundformulierung bewusst stark vereinfacht – so können Sie darauf aufbauend eigene Rezepte entwickeln und die Rohstoffe berücksichtigen, die Sie verfügbar haben. Die intensiv schützende Wirkung ergibt sich allerdings durch meine Barriereschutzbasis, das hydrierte Lecithin und Imwitor® 375, einem rückfettenden und hautpflegenden Emulgator; alle Komponenten sind nach hautphysiologischen Aspekten ausgewählt. Ich verspreche Ihnen: Es lohnt sich, in diese Rohstoffe zu investieren. 🙂

Ich habe 100 g Emulsion geplant; füllen Sie das Fluid in zwei 50-ml-Pumpspender, von dem sie einen bis zum Einsatz im Kühlschrank lagern (damit die Öle langsamer »altern«). Ich stelle meine Emulsionen, da ich beruflich stark eingebunden bin, grundsätzlich auf Vorrat her. Im Kühlschrank halten sich Ihre Emulsionen – wenn sie absolut sauber hergestellt und gewissenhaft konserviert sind – mehrere Monate. 

Schützendes Gesichtsfluid | 25 % Fettphase
(100 g Emulsion)

Phase A

  • 18,0 g Öle nach Wunsch
  • 3,0 g Sheabutter
  • 1,0 g Barriereschutzbasis (alternativ 1 g Phytosteryl Macadamiate)
  • 1,0 g Phospholipon® 80 H
  • 2,0 g Imwitor® 375

Schmelzen Sie die Barriereschutzbasis zunächst mit einem stabilen Öl klar auf – sie braucht bisweilen 95 °C – und geben Sie dann die anderen Öle und – nach Abkühlung auf ca. 70–80 °C –  Phospholipon® 80 H und Imwitor® 375 hinzu. Alles muss klar aufgeschmolzen sein.

Phase B

Verwenden Sie hier optimal ein hohes Becherglas (z. B. 250 ml) da in diesem Becherglas gerührt wird.

  • 66,0 g Wasser
  • 0,3 g Siligel®

Erhitzen Sie das vorher gut abgekochte Wasser auf ca. 80 °C und dispergieren Sie Siligel® darin. Es wird sich nicht auflösen, sondern in kleinen Flocken sichtbar bleiben.

WICHTIG: Geben Sie nun PHASE A (mit den Ölen und Emulgatoren) unter Rühren zu PHASE B (Wasser + Siligel®) und homogenisieren Sie sie möglichst hochtourig (1 Minute mit Stabmixer, Ocis bzw. Dremel, 2 Minuten mit dem Blendia oder 4 Minuten mit einem kräftigen Handrührgerät). Rühren Sie sanft und ohne Wasserbad (!) bis auf Handwärme.

Phase C

  • 7,4 g hydratisierende Wirkstoffe nach Wunsch (siehe im grauen Kasten unten). Tipp: Seit Jahren kombiniere ich erfolgreich jeweils 2 % (das entspricht hier 2 g) Glycerin, Sodium PCA und Natriumlaktat als effektiv befeuchtendes, synergetisch wirkendes Trio. Sie könnten z. B. noch 0,5 g Panthenol und 0,9 g eines hautberuhigenden Pflanzenextrakts einplanen, um die 7,4 g Wirkstoffe zu erhalten.

Geben Sie Ihre Wirkstoffe separat als Vormischung in ein Schälchen zusammen. Ergänzen Sie sie unter Rühren zu PHASE A/B und arbeiten Sie sie kurz (10 Sekunden) hochtourig ein. Dann wird die Emulsion sanft kalt gerührt.

Phase D

  • 1,0 g Rokonsal™ BSB-N
  • eventuell Milchsäure zum Einstellen des pH-Werts

Konservieren Sie die Emulsion und prüfen Sie den pH-Wert.  Stellen Sie sicher, dass der pH-Wert bei unter pH 5,4 liegt, damit die Konservierung zuverlässig wirken kann und sie Ihre Haut bei der Bildung hauteigener Ceramide unterstützen. Rühren Sie die Emulsion sanft weitere 5 Minuten und füllen Sie sie anschließend in sterilisierte Flaschen ab.

Wassertropfen

Hydratisierende Rohstoffe

Glycerin, Urea, Sodium PCA, Natriumlaktat, Glycinbetain (TEGO® Natural Betaine), Hyaluronsäure (niedermolekular) plus Hyaluronsäure (hochmolekular), Aloe-Vera.

Variationen des Pflegefluids

Sie können die Emulsion in ihrer Konzeption variieren:

  • Wenn Sie 30 % Fettphase wünschen, planen Sie 23 g Öle und/oder Buttern ein und reduzieren Sie die Wasserphase auf 61 g. Sie können auch 0,5–1 g Mimosenwachs oder Beerenwachs bzw. Japanwachs einplanen (0,5–1 %).
  • An Wirkstoffen sind auch 0,5 g (0,5 %) hautberuhigendes Panthenol oder Tocopherol denkbar.
  • Im Winter verwende ich grundsätzlich geringere Anteile an alkoholischen Pflanzenextrakten, weil diese Fette lösen. 1–3 % (1–3 g) sind ein guter Wert. Hautberuhigende, Rötungen mildernde Extrakte sind u. a. solche aus Mäusedorn, Süßholzwurzel, Rose. Meine Extrakte setze in gerne einer Mischung aus Alkohol, Glycerin und Wasser an. Als sehr effektiv empfinde ich 0,5–1 % (hier 0,5–1,0 g) meiner Aloe-Vera-200:1-Basis!

Meine Basisrezeptur für ein Pflegeöl

Ergänzend zu diesem Pflegefluid empfehle ich Ihnen ein hochkonzentriertes Öl für die Nachtpflege aus nativen pflanzlichen Ölen. Ich selbst presse mein Öl seit einigen Monaten selbst, andere Öle kaufe ich aus seriösen Quellen dazu. Dieses Öl wird nach Wunsch pur oder, in der Handfläche hinzugegeben, dem Fluid beigemischt. Da Öle mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren relativ schnell oxidieren, mische ich immer nur ca. 15 ml auf Vorrat, die im Badezimmer stehen. Damit komme ich ca. 6 Wochen aus.

Damit das Öl über den Verwendungszeitraum frisch bleibt, empfiehlt sich folgende Konzeption:

  • 1/3 Anteil: Jojoba- oder Wiesenschaumkrautöl (Ölgruppe B-0)
  • 1/3 Anteil eines Basisöls (Ölgruppen B-1, B-2 oder B-3)
  • 1/3 Anteil eines Wirkstofföls (Ölgruppen W-1, W-2, W-3)

Ich wünsche Ihnen Freude am Ausprobieren, Variieren, Konzipieren Ihrer eigenen Herbst- und Winterpflege! Vertiefende Informationen zur Biochemie dieses Konzepts finden Sie in diesem wunderbaren Buch von Hans Lautenschläger, das mich in meiner eigenen Rezeptentwicklung deutlich professionalisiert hat.

Heike KäserOLIONATURA®

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