Phospholipon® 80 H (hydriertes Lecithin)

Phospholipon® 80 H

Das hautbarriereschützende Lecithin

INCI: Hydrogenated Lecithin

In selbst hergestellter Naturkosmetik vereinen Lecithine (kosmetikchemisch unter dem Begriff »Phospholipide« gefasst) die Eigenschaften eines Wirkstoffs, eines pflegenden Lipids und eines hautverträglichen Emulgators in einem Produkt. Wir nutzen diese kosmetisch hervorragende Rohstoffgruppe zum einen in Form des natürlichen Lecithingehalts in nativen, pflanzlichen Ölen, zum anderen als konzentriertes und aufgereinigtes Handelsprodukt. Eines davon ist Phospholipon® 80 H, ein natürlicher Emulgator auf Basis von Sojaöl mit einem Gehalt von ca. 76 % an dem Phospholipid Phosphatidylcholin, das als qualitativ hochwertigste Fraktion aller Phospholipide gilt.

Phospholipon® 80 H zeichnet sich dadurch aus, dass seine ungesättigten Fettsäuren mit Wasserstoff gesättigt wurden, dadurch keine Doppelbindungen mehr aufweisen und eine festere Struktur und höhere oxidative Stabilität zeigen. Man bezeichnet es daher als hydriertes Lecithin. Es fungiert als Emulgator und Koemulgator mit feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften und fungiert daneben zum Benetzen von kosmetischen Pigmenten.

Phospholipon® 80 H (hydriertes Lecithin)

Hydrogenated Lecithin

  • CAS-Nummer: 92128-87-5
  • Funktion: O/W-Emulgator
  • HLB-Wert: 9
  • Klasse: amphoter

Neben Phospholipon® 80 gibt es ein weiteres Handelsprodukt, das hydriert ist: Emulmetik® 320.

  1. Phospholipon® 80 H basiert auf Sojaöllecithin und ist in seiner Zusammensetzung, wie bereits oben beschrieben, aufkonzentriert auf ± 76 % Phosphatidylcholin.
  2. Emulmetik® 320 ist ebenfalls ein Phospholipidprodukt auf Basis von Sojalecithin und besteht aus 97 % Phospho- und Glycolipiden, darunter 18–26 % Phosphatidylcholin.

Phospholipon® 80 H ist das kosmetisch hochwertigere (weil konzentriertere), aber auch teurere Produkt: Der aufkonzentrierte Gehalt an Phosphatidylcholin erfordert einen aufwändigen Herstellungsprozess, der sich im Preis niederschlägt, verbessert jedoch auch die emulgierenden Eigenschaften des hydrierten Lecithins. Wir kaufen beide Produkte als leicht gelbliches bis mattweißes, feines Pulver mit dezentem Geruch; trocken und bei Zimmertemperatur nicht über 25 °C gelagert weisen hydrierte Lecithine eine Haltbarkeit von ca. 3 Jahren auf.

Wirkung und kosmetischer Einsatz

Phospholipon® 80 H dringt aufgrund fehlender Flexibilität nur geringfügig in die Hornschicht ein, haftet sich dort jedoch an das Keratin der Keratinozyten, wo es fetthaltige Pflegestoffe bindet und als effektiver Feuchtigkeitsspender wirkt – so wie es naturgemäß Ceramide tun, die mit den äußeren Proteinen der Hornhülle der Keratinozyten verknüpft sind und die Hornschicht wasserabweisend machen. Dadurch kann die Barriereschicht wirkungsvoll stabilisiert und restrukturiert werden.

Phospholipon® 80 H ist als hydriertes Lecithin ausgesprochen einhüllend, schützend und wirkt haptisch weniger fettend als Fluidlecithine. Es mindert die Spreitfähigkeit einer Emulsion und eignet sich daher insbesondere für Augencremes. Daneben lassen sich auch bei geringem Fettphasengehalt pflegende Gesichtsfluids, Lotionen und, mit entsprechenden Konsistenzgebern, gehaltvolle Cremes konzipieren. Seine Affinität zum Hautkeratin prädestiniert Phospholipon® 80 H für nicht fettende, mattierende Emulsionen mit hohem Schutzcharakter und wasserabweisender Wirkung, wie sie in Handpflege-Präparaten erwünscht sind. Auch in Fußcremes bewirkt Phospholipon® 80 H eine deutliche Abnahme der Hautrauigkeit.

In Lippenstiften ist Phospholipon® 80 H eine pflegende Lipidkomponente; als Orientierung können 3 % dienen. Phospholipon® 80 H benetzt die Pigmente und verbessert ihre Haftfähigkeit; daneben verringert ein Zusatz den Feuchtigkeitsverlust und mindert die Austrocknung der zarten Lippenhaut.

Verarbeitung von Phospholipon® 80 H

Phospholipon® 80 H eignet sich insbesondere für einen Fettphasenbereich zwischen 20 und 35 %. Es gibt 2 Verarbeitungsvarianten. Nach Herstellerangaben wird Phospholipon® 80 H bevorzugt wie im Folgenden beschrieben verarbeitet:

  1. Phospholipon® 80 H in der Wasserphase einwiegen und bei ca. 78 °C ca. 20 Minuten quellen lassen. (Tipp: Ich decke das Becherglas mit einem Stück Alufolie ab; dies mindert den Wasserverlust durch Verdunsten. Alternativ kann man das Becherglas vor und nach dem Quellen wiegen und die Differenz mit Wasser auffüllen.).
  2. Anschließend die Wasserphase in die aufgeschmolzene Fettphase einrühren und 2–4 Minuten mittel- bis hochtourig emulgierten. Auch ein umgekehrtes Arbeiten (das Hinzufügen der Fettphase in die Wasserphase) ist möglich.
  3. Die Emulsion moderat bis auf Handwärme rühren, dann die Wirkstoffphase ergänzen.
  4. Nach Kaltrühren Konservierung und Beduftung ergänzen, bei Bedarf den pH-Wert korrigieren.

Der Wasserkontakt bei dieser hohen Temperatur, der so genannten Krafft-Temperatur, führt zur Ausbildung von Hydrathüllen (durch Wasserstoffbrücken gebundenem Wasser) um den hydrophilen (wasserliebenden) Kopf der Lecithinmoleküle und erhöht so ihre Hydrophilie und damit den HLB-Wert. Konkret bedeutet dies, dass Phospholipon® 80 H durch das Quellen in Wasser bevorzugt O/W-Emulsionen bilden wird.

Alternativ kann Phospholipon® 80 H in der Fettphase aufgeschmolzen werden und auf diese Weise die Emulsionsform tendenziell Richtung Misch-Emulsion gestalten, dies bedeutet u. a. einen ausgeprägteren Rückfettungsgrad, weil der HLB-Wert geringer ist. Viele Anwender bevorzugen diese Variante, da sie bequemer ist.

Dosierung von Phospholipon® 80 H

Kosmetisch genutzte Lecithine werden bevorzugt als Koemulgatoren eingesetzt: Emulsionen gewinnen deutlich an Konsistenz, Haptik und Stabilität, wenn Lecithine mit anderen Emulgatoren kombiniert werden. In meinen persönlichen Tests hat sich Phospholipon® 80 H, solo oder mit 0,5–1 % Wachs ergänzt, als ausgezeichneter Partner für flüssige Lecithine erwiesen. Auch mit klassischen Emulgatoren kombiniert lassen sich sehr angenehme Formulierungen entwickeln, so mit dem niedrigviskosen TEGO® Care CG 90, Dermofeel® GSC palm oil free, Bergamuls® ET-1 oder Xyliance. Meine persönlichen Favoriten für leichte Cremefluids sind entweder eine Kombination von Phospholipon® 80 H mit TEGO® Symbioprot® M und Sucrosestearat, alternativ Phospholipon® 80 H mit Imwitor® 375 und Siligel®. Zusammen 3%ig dosiert, eventuell mit 0,5 % Wachs kombiniert, ergeben diese Mischungen stabile, in Haptik und Konsistenz angenehme Fluids und Cremegele, die sich hervorragend aus einem Pumpspender entnehmen lassen.

Als Solo-Emulgator sind 3 % Phospholipon® 80 H in der Regel ausreichend. Je nach Gesamtkonzeption kann es mit koemulgierenden Lipiden, Wachsen und Sterolen kombiniert werden. Beachtet werden sollte jedoch, dass Phospholipon® 80 H eine ausgeprägte »trockene« Okklusivität entwickeln kann, wenn es höher dosiert wird; hier gilt es, die Gesamtrezeptur daraufhin anzupassen. Von Vorteil ist, dass Sie in Rezepturen mit Phospholipon® 80 H auf Fettalkohole verzichten können; seine schützende und mattierende Wirkung ist vollkommen ausreichend. Die sonst für Lecithine charakteristische puddingartige Viskosität fehlt Phospholipon® 80 H völlig; die Emulsionen sind absolut glatt, homogen und – wenn man die Fettphase entsprechend plant – angenehm weiß.

In Verbindung mit anderen Lecithinen lässt sich Phospholipon® 80 H sehr gut in seiner kosmetischen Wirkung »korrigieren«: Lysolecithin verringert seine Okklusivität, bricht die rigiden lamellaren Emulsionsstrukturen auf, Wasser wird schneller frei gegeben. Auch verringert sich die Viskosität einer Emulsion.

Quellen

  1. Kathrin Schöbel, Liposomen, Gerbstoffe und essentielle Fettsäuren für die Pflege und Regeneration der Haut. Hamburg: Verlag Dr. Kovac, 1995
  2. Eberhard Heymann, Haut, Haar und Kosmetik. Verlag Hans Huber 2003
  3. Dr. H. Lautenschläger, Starke Wirkung – Phospholipide in Kosmetika. Kosmetik International 2003, S. 38–40
  4. Lucas Meyer: Lecithin für die Kosmetik. Publikation Nr. 9, 1991
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