Sheabutter

Die reichhaltige Butter für trockene, spröde Haut

INCI: Butyrospermum Parkii (Shea) Butter

Sheabutter ist ein aus den Nusskernen der Früchte des Sheabaums gewonnenes Fett – ein Baum aus der Familie der Sapotaceae (Sapotengewächse), der in einem relativ breiten Streifen am südlichen Saum der Sahelzone vom östlichen Senegal bis nach Uganda wächst.  Er wird botanisch in zwei Subspecies unterteilt, der westafrikanischen Vitellaria paradoxa subspecies paradoxa, die primär in der zentralafrikanischen Republik und im Senegal wächst, und der ostafrikanischen Vitellaria paradoxa subspecies nilotica, die vorwiegend in Uganda und im Sudan, mit kleinen Vorkommen auch in Zaire und Äthiopien gedeiht.

Der Shea-Gürtel in Afrika

Die beiden Subspecies unterscheiden sich botanisch u. a. durch die Größe von Blüten und Blättern (die der Vitellaria paradoxa subspecies nilotica sind größer), variieren jedoch nur geringfügig. Die untere Karte zeigt die Shea-Zone und bekannte Herkunftsgebiete wie Burkina Faso, Ghana, die Zentralafrikanische Republik und Uganda.

Der durchschnittlich erst nach 20 Jahren blühende Baum besitzt ca. 4 cm große, grüne Früchte, in denen von süßlichem Fruchtfleisch umgebene braune Kerne sitzen, die ca. 50 % Fett enthalten. Aus ihnen wird die Sheabutter gewonnen. Die Kerne aus den Früchten weisen eine raue, strukturierte Oberfläche auf, innen befindet sich die fetthaltige Nussmasse. Traditionell werden die Nüsse in der Sonne getrocknet, geschält, die Kerne über Feuer geröstet und von Frauen per Hand mit Stößeln zu einer bräunlichen Masse gemörsert. Diese wird mit Wasser vermengt und mehrere Stunden zu einem gelblich-weißen Teig geknetet. Durch wiederholte Zugabe von Wasser und erneutem Erhitzen des Wasser-Nuss-Breis setzt sich das Sheafett auf der Wasseroberfläche ab und kann abgeschöpft, gefiltert und abgefüllt werden. Mittlerweile verfügen nicht wenige Frauenkooperativen über Maschinen, die Teile der anstrengenden Handarbeit übernehmen.

Butyrospermum Parkii (Shea) Butter

  • Basisöl | Ölgruppe: PF-1
  • Jodzahl: 47–78
  • Verseifungszahl: 165–188
  • HLB-Wert: 8
  • Schmelzbereich: 24–38 °C
  • Typ: nicht trocknend
  • Spreitwert nach Olionatura®: niedrigspreitend
  • Anteile an Unverseifbarem: 2 % (Shea subsp. nilotica), 6–12 % (Shea subsp. paradoxa)
  • Zusammensetzung: Ölsäure (39–60 %), Stearinsäure (25–51 %), ca. 2–12 % Unverseifbares (primär β-Sitosterol, Stigmasterol, Campesterol), Tocopherole (ca. 4–78,6 mg/100 g), Vitamin A, Phenole, Catechine, Triterpene
  • Haltbarkeit (nach Anbruch des Gebindes): ca. 12 Monate (Shea subsp. nilotica), ca. 24 Monate (Shea subsp. paradoxa)
  • Kosmetischer Einsatz: Universell einsetzbares Lipid, insbesondere wirksam bei trockener, rissiger Haut, Neurodermitis, Dermatosen, in Lippenpflegestiften. Gute Salbengrundlage.

Im Folgenden bezeichne ich beide Unterarten unterscheidend kurz als Shea paradoxa und als Shea nilotica. Der geläufige Name für den Sheabaum Butyrospermum parkii gilt heute als veraltet, auch wenn er nach wie vor verwendet wird; korrekt ist die Bezeichnung Vitellaria paradoxa mit den Unterscheidungen der beiden Subspecies Vitellaria paradoxa subspecies paradoxa und Vitellaria paradoxa subspecies nilotica. Interessant ist, dass die Datenbank SOFA, Seed Oil Fatty Acid der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel, in Analysedaten aus über 30 Jahren keine Shea nilotica kennt; möglicherweise wurden bei der Datensammlung auch beide Subspecies unter Vitellaria paradoxa subsummiert. In der Regel ist die Nilotica-Variante teurer als die Shea paradoxa. Gründe liegen in den geringen Mengen, die in Europa in den Handel gelangen und der teilweise politisch instabilen Situation in den Erntegebieten.

Inhaltsstoffe

Native Sheabutter (auch Karitébutter, Beurre de Karité genannt) weist hohe Gehalte an kosmetisch wertvollen Inhaltsstoffen auf, darunter Phytosterole, Wachsester, Tocopherole, antioxidativ wirkende Catechine und Gallussäure sowie hautfreundliche Fettsäuren. Hervorzuheben ist ihr hoher Anteil an Unverseifbarem, vor allem die genannten Phytosterole (u. a. Campesterol, Stigmasterol, β-Sitosterol und α-Spinosterol), Triterpene (Zimtsäure-Ester, α- und β-Amyrin, Parkeol, Butyrospermol und Lupeol) und Tocopherole. Ihr Anteil in der westafrikanischen Shea paradoxa beträgt zwischen 6 und 12 %, bisweilen werden in der Literatur auch 16 % genannt.

Heike

ALLANTOIN IN SHEABUTTER?

Regelmäßig erwähnt wird der Gehalt an Allantoin, einer entzündungshemmenden, zellregenerierenden und wundheilenden wasserlöslichen Substanz, die Hautirritationen mildern hilft. Tatsächlich lässt sich in einem wässrigen Extrakt aus dem entölten Presskuchen der Sheanüsse das wasserlösliche Allantoin nachweisen1. In der Butter selbst ist ein nennenswerter Gehalt durch die fehlende Lipophilie des Allantoin absolut unwahrscheinlich; in der Butter wurde es nie nachgewiesen. Leider hat sich die Mär von der allantoinreichen Sheabutter verselbstständigt und wird unreflektiert weitergetragen.

1 Ata, J. K. B. A.; Fejer, D.: Allantoin in Shea Kernel.
Ghana Journal of Agricultural Science (8): 149–152, 1975

Neben Palmitin- und Linolsäure ist das Fettsäurespektrum der Sheabutter primär durch Stearin- und Ölsäure und ihrem Verhältnis zu einander geprägt, welche zusammen ca. 85–90 % aller Fettsäuren bilden. Innerhalb Westafrika variieren die prozentualen Anteile von Öl- und Stearinsäure von Sheabutter aus unterschiedlichen Regionen deutlich. Der Anteil an Stearinsäure schwankt einer Untersuchung zufolge zwischen knapp 25 und 51 %, der Ölsäuregehalt variiert zwischen 39 und 62 %. Aus diesen Unterschieden ergeben sich sehr unterschiedliche Qualitäten hinsichtlich Konsistenz, Schmelzpunkt und Auftragsverhalten.

Die ostafrikanische Vitellaria paradoxa subspecies nilotica weist in der Tendenz einen höheren Gehalt an der einfach ungesättigten Ölsäure auf (zwischen 50 und 60 %), weniger Stearinsäure (zwischen 22 und 36 %), jedoch auch weniger Unverseifbares (ca. 2 %) und im Vergleich einen stark verringerten Anteil an Tocopherolen. Die Unterschiede sind offensichtlich klimatisch bedingt: je wärmer die klimatischen Verhältnisse, desto aktiver ist die Produktion der Pflanze an zellschützenden und antioxidativ wirkenden Tocopherolen (und desto geringer der Ölsäure-Anteil).

Vergleich der Fettsäurespektren von Sheabutter paradoxa und nilotica
Fettsäurediagramme von
Subspecies nilotica (links) und Subspecies paradoxa (rechts)

Der Geruch der Shea nilotica ist schwach frischsäuerlich, in jedem Falle deutlich milder und dezenter als das westafrikanische Pendant. In der Anwendung bewirken die niedrigeren Anteile an gesättigten Fettsäuren (und der höhere Anteil an der einfach gesättigten Ölsäure) durch den niedrigeren Schmelzpunkt wie bei den entsprechenden westafrikanischen Shea paradoxa aus bestimmten Regionen eine etwas weichere Konsistenz und eine geringere Filmbildung auf der Haut, da die Ölsäure das Einziehverhalten verbessert. Die gesättigte Stearinsäure wirkt hingegen deutlich »einhüllender«. Der geringe Anteil an Unverseifbarem (ca. 2 % gegenüber ca. 6–11 % bei der Shea paradoxa) bedeutet für die Shea nilotica u. U. eine geringer ausgeprägte restrukturierende und regenerierende Wirkung, auf der anderen Seite scheint sie reich an zellschützenden Catechinen zu sein.

Kosmetischer Einsatz

Durch das breite Spektrum an Inhaltsstoffen reguliert Sheabutter den Feuchtigkeitsgehalt der Haut und wirkt rückfettend, beruhigend und glättend. Ihr Gehalt an Unverseifbarem stärkt die Lipidbarriere der Hornschicht und prädestiniert Sheabutter für die Behandlung trockener, neurodermitischer und barrieregestörter Haut. Sie gilt als ausgesprochen verträglich, entspannt gereizte und beanspruchte Haut und kann auch pur oder in Kombination mit Ölen als Balsam verwendet werden. In Rezepturen wirkt sie als natürlicher Konsistenzgeber und ergibt geschmeidige Cremes, die sich gut auftragen lassen und durch den hohen Gehalt an Unverseifbarem und Ölsäure eine hohe Penetrationsfähigkeit aufweisen, auch wenn das Spreitvermögen durch die feste Konsistenz und die fehlenden kurzkettigen Fettsäuren vermindert ist.

Heike

HALTBARKEIT VON SHEABUTTER

Die lange Haltbarkeit gilt nicht in gleichem Maße für alle Varianten. Bedingt durch den hohen Ölsäureanteil verkürzt sie sich für die Nilotica-Variante auf ca. 12 Monate; Paradoxa-Varianten und raffinierte Shea sind bis zu 24 Monaten haltbar.

Qualitätskriterien

Die traditionelle Herstellungsweise birgt naturgemäß die Gefahr von diversen Kontaminationen, in Abhängigkeit des Ausgangsmaterials, des Produktions-Prozesses, des verwendeten Wassers und der Sorgfalt, mit der unerwünschte Stoffe (von Insekten bis hin zu Pestiziden im Wasser) aus diesem Prozess ausgeschlossen werden; dieser traditionelle Herstellungsprozess wird bis heute kaum kontrolliert. Dies gilt leider für alle nativen Buttern aus Übersee; auch Cupuaçubutter ist sehr stark von dieser Problematik betroffen. Laboranalysen zeigen in Folge zum überwiegenden Teil erhebliche Mängel auf: hohe Werte freier Fettsäuren (Free Fatty Acids, FFA) und Peroxyd-Zahlen (POZ) als Zeichen von Ranzidität, Kontaminationen mit Mikroorganismen (Bakterien, Hefen, Pilze) und Pestizidrückstände.

Gute, native Qualitäten weisen eine homogene, glatte Konsistenz und eine helle Farbe auf, die ins Gelbliche spielen kann; in einigen Gebieten Ghanas wird die Wurzel einer Pflanze, Cochlospermum tinctorium zur Gelbfärbung der Sheabutter verwendet, einer polyphenolreichen Pflanze, die pulversisiert auch als Gesichtsmaske verwendet wird und der Butter viele Mineralstoffe hinzufügt.

In Europa gepresste Qualitäten, die als Alternative zu den traditionell hergestellten Buttern angepriesen werden, sind übrigens nicht zwingend besser in der Qualität: Diese Nüsse, die in Europa später raffiniert werden sollen, werden in der Regel weniger streng selektiert, da Raffination die unerwünschten freien Fettsäuren entfernt. So können gerade bei in Europa kalt gepressten, nativen Buttern hohe FFA- und POZ-Werte auftreten, wie ein mir vorliegendes Analyse-Zertifikat einer gepressten Sheabutter zeigt.

Mein Rat: Kaufen Sie nur geprüfte Buttern. In meinem Blog und in der Rührküche berichte ich regelmäßig über gute Qualitäten.

Sheanussöl (INCI: Butyrospermum Parkii (Shea) Seed Oil)

Neben Sheabutter wird eine fraktionierte Variante als Sheanussöl verkauft. Es ist in Deutschland jedoch sehr selten im Handel. Im Gegensatz zur traditionellen Herstellung der Sheabutter – dem Zerstampfen der Nüsse, Kochen in Wasser und Abschöpfen des Fettes, wird Sheaöl aus den Kernen gepresst und in der Regel raffiniert und fraktioniert.

Butyrospermum Parkii (Shea) Seed Oil

  • Basisöl | Ölgruppe: B-1
  • Jodzahl: 75–90
  • Verseifungszahl: 180–200
  • Schmelzbereich: 18 °C
  • Typ: nicht trocknend
  • Spreitwert nach Olionatura®: niedrigspreitend
  • Zusammensetzung: Ölsäure (ca. 40–60 %, in Einzelfällen bis zu 70 %), Stearinsäure (ca. 20–30 %), Palmitinsäure (bis 6 %), Linolsäure (3–10 %), Arachinsäure (bis 2,5 %)
  • Haltbarkeit (nach Anbruch des Gebindes): ca. 18 Monate
  • Kosmetischer Einsatz: Normale und trockene Haut, Haarpflegeprodukte, als reichhaltiges Massageöl.

Die Fraktionierung trennt die Fettsäuren nach ihrem Schmelzpunkt und führt in Folge zu einem Öl mit niedrigerem Schmelzpunkt und einem Fettsäuremuster, das im Vergleich zu Sheabutter durch einen höheren Anteil an Ölsäure und einen niedrigeren Gehalt an gesättigten Fettsäuren wie Stearinsäure geprägt ist. Raffiniertes Öl weist jedoch nur noch Spuren der wertvollen unverseifbaren Fettbegleitstoffe auf; beide Produkte sind also nicht vergleichbar. Der Grad der Fraktionierung kann je nach Hersteller schwanken, mit ihm die exakten Fettsäurewerte. Ich habe in Einzelfällen Ölsäuregehalte bis zu 73 % gefunden (bei gleichzeitig reduziertem Stearinsäureanteil).

Die spezifische Viskosität des Sheaöls bedingt eine Konsistenz, die bei normaler Zimmertemperatur etwas zähfließend ist und, so meine Erfahrung, als gering dosierte Ölkomponente ein Feuchtigkeitsgel auf Basis von Polysacchariden (Hyaluronsäure, Quittengel usw.) sehr gut stabilisieren und im Hautgefühl verbessern kann. Aussagen zu Spreitverhalten und Penetrationsvermögen sind auf Grund der deutlich differierenden Fettsäuremuster einzelner Anbieter nicht eindeutig zu treffen; der je nach Herkunft hohe Anteil an gesättigten langkettigen Fettsäuren kennzeichnet es jedoch als langsam spreitendes Öl, das langsam einzieht.

Sheanussöl eignet sich als ölsäure- und stearinsäurebetonte Komponente in Emulsionen für trockene, feuchtigkeitsarme Haut. Es ist oxidationsstabil und fördert die Haltbarkeit von Ölmischungen mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Auch als Massageöl ist sehr gut geeignet: die Stearinsäure bleibt als sanfter Film auf der Haut, die Ölsäure bedingt ein langsames, aber gutes Einziehvermögen. Zudem kann das geruchsdezente Sheanussöl gut mit ätherischen Ölen beduftet werden.
Hervorragend eignet sich dieses reichhaltige, schützende Öl auch für restrukturierende und rückfettende Haarpflegeprodukte, als Zusatz in Shampoos für trockenes, sprödes Haar und in Haarkuren.

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