INCI: Brassica Oleracea Italica ( Broccoli ) Seed Oil
Das seltene, gold- bis leicht grünlich-gelbe Brokkolisamenöl wird aus den feinen Samen des Brokkoli gewonnen und weist als natives Öl einen zarten, charakteristischen, süßlich-nussigen Geruch auf.

Kurzportrait von Brokkolisamenöl
Basisöl | Ölgruppe B-4 | nicht/halb trocknend
Spreitwert nach Olionatura®: mittelspreitend
- Fettsäuremuster: Erucasäure (ca. 40–50 %), Ölsäure (ca. 10–20 %), Linolsäure (ca. 10–20 %), α-Linolensäure (ca. 5–10 %), Gadoleinsäure (ca. 5–10 %), Palmitinsäure (bis ca. 5 %), Stearinsäure (bis ca. 5 %)
- Kosmetischer Einsatz: Basisöl für Haaröle, Haar-Conditioner und -kuren, in dekorativer Kosmetik (Foundations, getönte Cremes, Concealer)
Schmelzpunkt: keine Angabe
Jodzahl: 90–120
Verseifungszahl: 160–190
Haltbarkeit (nach Anbruch des Gebindes): 12 Monate
Inhaltsstoffe von Brokkolisamenöl
Das Fettsäuremuster von Brokkolisamenöl ist außergewöhnlich: neben ca. jeweils 15 % Öl- und Linolsäure enthält es einen extrem hohen Wert an Erucasäure, einer einfach ungesättigten, langkettigen Fettsäure (C 22:1) und 5–10 % der ebenfalls langkettigen, einfach ungesättigten Eicosensäure (C 20:1). Beide gewähren dem Öl eine gewisse oxidative Stabilität und seine besondere, nicht fettende Haptik in verschiedenen kosmetischen Anwendungen.
Während Erucasäure ernährungsphysiologisch als ungesund gilt und der verwandte Raps (Brassica napus) seit 1974 gezielt auf einen niedrigen Gehalt an dieser Fettsäure gezüchtet wird, schätzt die Oleochemie Erucasäure als Schmiermittel, Weichmacher für Kunststoffe und Entschäumer für Waschmittel. Vor diesem Hintergrund sind die im Folgenden beschriebenen haarkosmetischen Wirkungen nachvollziehbar.
| Fettsäure | Chargenbezogene Analyse (2008)¹ | Chargenbezogene Analyse (2010)² |
|---|---|---|
| Palmitinsäure | 2,3 | 2,2 |
| Stearinsäure | 1,0 | 0,9 |
| Ölsäure | 12,8 | 12,5 |
| Linolsäure | 13,4 | 13,0 |
| α-Linolensäure | 9,1 | 9,2 |
| Gadoleinsäure | 8,1 | 8,2 |
| Erucasäure | 46,8 | 46,4 |
| Nervonsäure | 1,3 | 1,6 |

Brokkolisamenöl
selbst pressen
Brokkolisamenöl lässt sich sehr gut selbst herstellen. Die kleinen Samen ergeben eine Ausbeute von ca. 20 % eines goldgelben, fein duftenden Öls. Da sich die Samen gut lagern lassen, lassen sich auf diese Weise immer wieder kleinere Chargen an frischem Öl pressen.
Es gibt online eine große Auswahl an Brokkolisamen, auch in Bioqualität. In der Regel handelt es sich dabei nicht um Brassica Oleracea Italica, sondern um Brassica rapa. Letzterer ist als Cima di Rapa (Stängelkohl, auch »Brokkoli Raab« genannt) ein u. a. in Apulien beliebtes Kohlgemüse. Beide ähneln sich im Fettsäuremuster und können kosmetisch analog genutzt werden. Die untere Tabelle zeigt gerundete Werte der häufig vertretenen Fettsäuren beider Arten im Vergleich: C22:1 (ganz rechts in der Tabelle) ist Erucasäure, eine einfach ungesättigte Fettsäure mit 22 Kohlenstoffatomen.
Vergleich zwischen Brokkolisamenöl und SteNgelkohlöl
| Spezies | C:16:0 | C18:0 | C18-1 | C18:2 | C:18:3 | C22:1 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Brokkolisamenöl Brassica oleracea | 3,6 | 0,8 | 15,0 | 12,7 | 15,0 | 46,2 |
| Stengelkohlöl Brassica rapa | 2,6 | 1,4 | 18,2 | 13,0 | 16,0 | 41,8 |
Kosmetischer Einsatz von Brokkolisamenöl
Aus meiner Anwendungserfahrung – ich durfte 2008 das erste in Deutschland verfügbare Muster dieses Öls testen – ist es ein wundervolles Öl für konditionierende und Haarschäden vorbeugende Haarpflege, auch für chemisch behandeltes Haar. Brokkolisamenöl zeigt auf dem Haar tatsächlich ein anderes Verhalten als andere Öle: Tropfenweise sparsamst pur in die feuchten Haarlängen geknetet wirkt es weichmachend, konditionierend und glättend, ohne die Haare strähnig wirken zu lassen. Es mindert die Neigung zu fliegenden Haaren und Kräuseln. Im trockenen Haar zeigt es leicht strukturierende Wirkungen, ebenfalls ohne zu fetten. Der typische Geruch verfliegt schnell und ist nicht wahrnehmbar.
Im Naturkosmetik-Bereich hat Brokkolisamenöl mittlerweile vor allem in Haarpflegeprodukten eine große Popularität als glanzgebende Komponente und Silikonersatz gewonnen. In einer randomisierten Doppelblindstudie wurde Brokkolisamenöl in einem Conditioner an 20 Personen mit unterschiedlichem Haarzustand (unbehandeltes, graues, gefärbtes und blondiertes Haar) im direkten Vergleich mit einem Produkt getestet, dem statt 5 % des Öls die gleiche Menge Silikon beigefügt war. In allen Vergleichspunkten erwies sich dieser Studie zufolge der Conditioner mit Brokkolisamenöl als ebenso effektiv hinsichtlich Nass-Kämmbarkeit, Glanz, Weichheit und verringerter Aufladung wie der mit Silikon konzipierte.
Neben seinem Einsatz in Haarpflege habe ich es in Foundation-Formulierungen getestet. Obwohl kein schnellspreitendes Esteröl, ermöglicht die spezifische Fettsäurekomposition leichte, seidige Texturen, die nicht glänzen.
