Lysolecithin

Lysolecithin

Das Lecithin für leichte Emulsionen

INCI: Lysolecithin

Lysolecithin ist ein modifiziertes Lecithin: Durch ein Enzym, die Phospholipase A2, wird eine Fettsäure abgespalten und durch eine OH-Gruppe ersetzt, die die Hydrophilie erhöht. Durch seinen HLB-Wert, der mit 9 beinahe zwischen O/W- und W/O-Emulgatoren liegt, deckt Lysolecithin in der Praxis eine breite Palette an möglichen Emulsionen ab und kann sowohl Wasser als auch Fettkomponenten effektiv binden.

Lysolecithin

Lysolecithin

  • HLB-Wert: 9
  • Funktion: O/W-Emulgator
  • Klasse: amphoter
  • Dosierung: In Emulsionen ca. 3 %, als Koemulgator 0,5–1 %, in Badeprodukten bis 10 %. In Haarpflegeprodukten bis 5 %, in Shampoos und Duschgelen 1–3 %

Lecithine sind durch ihren Gehalt an ungesättigten Fettsäuren oxidationsanfällig und sollten eher kühl, dunkel und gut verschlossen aufbewahrt werden. Bei entsprechender Lagerung sind sie ca. 18 Monate haltbar.

Wirkung und kosmetischer Einsatz

Der am deutlichsten wahrnehmbare Unterschied zwischen Lysolecithin und anderen Lecithinen ist das Hautgefühl der Emulsionen. Sie erscheinen »leichter«, geschmeidiger, weniger fettend, weniger stoppend oder filmbildend, wirken befeuchtender und scheinen schneller einzuziehen. Bienenwachs verliert in Emulsionen mit Lysolecithin seine »Wachsigkeit« und erzeugt samtige Weichheit, Wollwachsalkohol und Lanolin ihre »klebrige Schwere« (vor allem letzteres) und wirken intensiv befeuchtend und »satt«. Seine in Emulsionen konsistenzmindernde Wirkung prädestiniert es als Emulgator für Lotionen und Fluids, denen es eine sehr schöne Textur und eine angenehme Haptik verleiht.

Hydrobutter, 60 % Fettphase, mit Lysolecithin

2007 habe ich Lysolecithin umfassend in Emulsionen mit unterschiedlichen Fettphasen getestet. Obwohl ein effektiver O/W-Emulgator, ist mir damals gelungen, mit Lysolecithin eine »Hydrobutter« herzustellen. Die Emulsion links weist 60 % Fettphase auf und wird mit 1,6 % Lysolecithin emulgiert – eine reichhaltige Creme, die auf der Haut wie Butter schmilzt. Das »Geheimnis« ist das Herstellungsverfahren.

In der Haarpflege hat sich Lysolecithin als pflegender, rückfettender und konditionierender Zusatz in Shampoos (1–3 %), Haarfluids und Spülungen (bis 5 %) sowie in Duschgelen bewährt. Bei sauren pH-Wert wirken Phospholipide als kationische Lipide konditionierend und ziehen auf die negativ geladene Haaroberfläche geschädigter Haarpartien auf. Wichtig ist, den pH-Wert auf ca. 5 einzustellen, damit das Lecithin kationisch wirken kann.

Verarbeitung

Lysolecithin ist unkompliziert in der Verarbeitung und offenbar nicht pH-Wert-sensibel; es kann sowohl in der erwärmten Wasser- als auch in der Fettphase gelöst werden. Auch die Verwendung als Kaltemulgator ist möglich. Durch seinen Honig-Farbton werden die Emulsionen hell- bis vanillegelb. Längeres Erhitzen über 70 °C sollte wie bei allen Lecithinen vermieden werden. Problemlos ist das kurze Einrühren in Wasser kurz nach dem Aufkochen und normales Weiterverarbeiten.

Bei allen Emulsionen ist es sinnvoll, sie 24 Stunden »reifen« zu lassen und sie am nächsten Tag noch einmal gut durchzurühren, da sie sich in der Konsistenz entwickeln.

In Kombination mit Phytosteryl Macadamiate oder Avocadin® erzeugt dieses Lecithin nach Erfahrung vieler Anwenderinnen gut einziehende und sehr pflegende Rezepturen, die der Haut spürbar Feuchtigkeit geben: LL gibt leicht Wasser aus der Grundlage frei, die Phytosterole restrukturieren die Lipidbarriere der Hornschicht und binden das Wasser zuverlässig in der Haut. Bei tendenziell fettiger Haut und Mischhaut kann Lysolecithin dominieren; bei eher trockener Haut empfehle ich, Lysolecithin als Begleiter eines lipophileren Emulgators wie Wollwachsalkohol oder Lanolin oder mit O/W-Emulgatoren wie Montanov™ 68, Lamecreme und Glyceryl Stearate Citrate einzusetzen. In Formulierungen, die subjektiv zu wenig Wasser abgeben, kann ein Zusatz von 0,5–1 % Lysolecithin das Wasserfreigabeverhalten entscheidend verbessern und ein deutlich feuchteres Hautgefühl erzeugen.

Mein bewährtes Compound: Lysogel

Lysolecithin wird bevorzugt mit einem Gelbildner kombiniert. 2014 habe ich, um Arbeitsprozesse zu erleichtern, Lysogel »entwickelt«, ein Compound, mit dem Sie leichte Cremegele erzeugen und Ihre Lotionen haptisch und hinsichtlich ihrer Stabilität optimieren können. Es kombiniert Lysolecithin mit kosmetischem Xanthan und lässt sich einfach abwiegen und dosieren. Die Basisrezeptur von Lysogel ist einfach:

  • 3 Teile Lysolecithin, z. B. 15,0 g Lysolecithin, flüssig (75 %)
  • 1 Teil Cosphaderm® 34, z. B. 5,0 g Xanthan transparent (25 %)

Füllen Sie Lysogel in einen Tiegel und bewahren Sie es im Kühlschrank auf. Es ist ca. 1 Jahr haltbar.

Dosierung von Lysolecithin

In O/W-Emulsionen fungiert Lysolecithin mit einer Einsatz-Konzentration um die 3 % (in Kombination mit einem Gelbildner und weiteren Konsistenzgebern und koemulgierenden Lipiden wie z. B. Cetylalkohol) als Solo-Emulgator. Als Ko-Emulgator sind 0,5–1 % üblich. In Badeprodukten wie Ölbädern, Dusch- oder Badepralinen sind 10 %  in der Regel ausreichend.

So können Sie Lysogel dosieren:

EinsatzbereichDosierung
Als stabilisierende Komponente in Lotionen1,0–2,0 %
Als Emulgator für leichte Cremegele3,0 %
Heike
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