Lamecreme, O/W-Emulgator

Lamecreme

Bewährter Klassiker für reichhaltige Emulsionen

INCI: Glyceryl Stearate, Glyceryl Stearate Citrate

Lamecreme ist ein durch die Hobbythek® bekannt gewordener, PEG-freier O/W-Emulgator, der in den 1990ern von den Firmen Grünau/Henkel entwickelt und als »Lamecreme® ZEM« vertrieben wurde. Emulgatoren der Lamecreme®-Reihe waren selbstemulgierende kosmetische Emulgatoren auf Basis von Glycerylmono- und -distearaten sowie Zitronensäureester von Mono- und Diglyceriden.

Heute kennzeichnet die INCI-Bezeichung dieses Produkt als eine Kombination aus einem hydrophilen Emulgator und einem lipophilen Konsistenzgeber und Koemulgator:

  • Glyceryl Stearate Citrate (HLB 12) ist ein hydrophiler, anionischer, auf pflanzlicher Basis aus Glycerin, Mono- und Diglyceriden pflanzlicher Fettsäuren sowie Zitronensäure hergestellten Emulgator.
  • Glyceryl Stearate (HLB 4) ist ein lipophiler, koemulgierender Konsistenzgeber auf Basis von Stearin- und Palmitinsäure.

Glyceryl Stearate Citrate und Glyceryl Stearate gelten in der Kosmetikindustrie als eine bewährte und kostengünstige Kombination zur Herstellung stabiler und haptisch angenehmer Emulsionen. Diese Mischemulgatoren werden von verschiedenen Firmen aus festgelegten Einzelkomponenten und in firmenspezifischen Massenverhältnissen hergestellt. Welches Mischungsverhältnis der Einzelkomponenten Lamecreme aufweist, ist nicht bekannt, da es heute im Auftrag eines Lieferanten aus festgelegten Einzelkomponenten und in firmenspezifischen Massenverhältnissen hergestellt wird.

Lamecreme, O/W-Emulgator

Glyceryl Stearate, Glyceryl Stearate Citrate

  • HLB-Wert: ca. 7–8
  • Funktion: O/W-Emulgator
  • Klasse: nicht-/anionisch
  • Dosierung: 4–5 %

Wirkung und kosmetischer Einsatz

Die spezifische Kombination eines hydrophilen anionischen Emulgators mit einem lipophilen, nichtionischen Konsistenzgeber begründet, warum Lamecreme so unkompliziert in der Verarbeitung ist: Beide Typen zusammen ergeben sehr dichte Emulgatorfilme um die inneren Öltröpfchen, die Voraussetzung für eine stabile Emulsion sind. Daraus resultiert die hohe Salz- und pH-Wert-Toleranz dieses Komplexemulgators.

Lamecreme wird wegen seines angenehmen Hautgefühls geschätzt, da er ein weiches, zartes, »eingecremtes« Hautgefühl schenkt. Je nach Kombination mit anderen Emulgatoren lassen sich mit Lamecreme sowohl leichtere als auch reichhaltige Emulsionen herstellen. Lamecreme ist für mich neben Emulsan ein nach wie vor überzeugender Emulgator, der sich vor moderneren Handelsprodukten nicht verstecken muss.

O/W oder W/O?

Private DIY-Kosmetik-Webseiten führten Lamecreme lange Zeit als W/O- Emulgator. Meine eigenen Tests mit Sudanrot und Methylenblau (zwei Farbstoffen, von denen ersterer fettlöslich, der zweite wasserlöslich ist) zeigten eindeutig, dass Lamecreme kein W/O-Emulgator ist.

Methylenblau und Sudanrot gehören zu meiner Standardausrüstung, um Emulgatoren zu testen. Das Prinzip ist einfach:

  • In einer O/W-Emulsion ist Wasser die Außenphase. Daher löst sich dort sehr gut Methylenblau (nicht jedoch Sudanrot).
  • In einer W/O-Emulsion ist Fett die Außenphase. Es löst sich gut in Sudanrot (nicht jedoch in Methylenblau).

2010 stellte ich eine Emulsion mit Lamecreme her – mit einer extrem hohen Fettphase von 62 %! – und eine mit Tego® SMS (einem »echten« W/O-Emulgator, hier mit einer Fettphase von 40 %).

Anfärben von Emulsionen mit Lamecreme und Tego® SMS mit Sudanrot

Test mit Sudanrot

Obwohl die Lamecreme-Emulsion (links) eine deutlich höhere Fettphase aufweist, löst sie Sudanrot kaum an. Die echte W/O-Emulsion mit TEGO® SMS (rechts) wird intensiv rot gefärbt. Dies zeigt eindeutig: Lamecreme ist kein W/O-Emulgator.

Anfärben von Emulsionen mit Lamecreme und Tego® SMS mit Methylenblau

Test mit Methylenblau

In der Lamecreme-Emulsion (links) löst sich Methylenblau trotz der hohen Fettphase an, in der W/O-Emulsion mit Tego® SMS (rechts) bleibt die Emulsion weitgehend weiß, die Pulver-Partikel lösen sich nicht auf (und das, obwohl die Wasserphase 60 % beträgt und auch noch ein O/W-Emulgator mitwirkt).

Damit ist eindeutig erwiesen, dass Lamecreme in O/W-Emulgator ist.

Verarbeitung

Der Emulgator wird bei ca. 65 °C in der Fettphase aufgeschmolzen; anschließend kann die Wasserphase unter Rühren hinzugegeben werden. Auch die One-Pot-Methode ist möglich.

Dosierung

Je nach Einsatzbereich und Kombination haben sich folgende Einsatzkonzentrationen bewährt:

Lotionen und leichte Cremes ab ca. 30 % Fettphase4–5 % Lamecreme
Gehaltvollere Cremes mit höherer Konsistenz4–5 % Lamecreme + 1,5–3 % Fettalkoholen oder Wachestern

Besonders angenehme Emulsionen erzeugt Lamecreme in dem Fettphasenbereich von ca. 30–40 %. Meine Probeemulsionen mit niedrigeren Fettphasen (unter 30 %) blieben stabil, waren haptisch jedoch weniger überzeugend – vermutlich weil die spezifische Mischung der beiden Einzelkomponenten, so wie sie in Lamecreme vorliegen, auf höhere Fettphasen ausgelegt ist. Prinzipiell lassen sich mit Glycerinstearat (HLB 4) als Konsistenzgeber und Glyceryl Stearate Citrate auch haptisch angenehme Emulsionen mit 20–25 % Fettphase konzipieren.

Heike

Tipp

Sie können ein vergleichbares Dreamteam selbst mischen: Dermofeel® GSC palm oil free ist Glyceryl Stearate Citrate, das Sie nach Belieben mit Glycerinstearat (HLB 4) oder anderen Partialglyceriden, Fettalkoholen oder Wachsestern kombinieren können. Mit diesen Kombinationen lassen sich auch Emulsionen unter 30 % Fettphase mit überzeugender Haptik konzipieren.

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