Mandel-Rosen-Butter von Olionatura

O/W-Emulsionen herstellen

Rührkurs Teil 2

Der größte Teil aller auf dem Markt befindlichen Cremes und Lotionen sind Öl-in-Wasser-Emulsionen. Sie werden aufgrund ihrer angenehmen, leichten Textur und der weichen, frischen Haptik auf der Haut von Verbraucherinnen und Verbrauchern geschätzt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine O/W-Emulsion herzustellen. Welche die bevorzugte ist, ergibt sich in der Regel aus den verwendeten Emulgatoren und der Gesamtkonzeption des Produkts, da verschiedene Rohstoffe unterschiedliche Erfordernisse bezüglich ihrer Verarbeitung aufweisen. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen ein Herstellungsverfahren, das an die kleinen Chargen unserer Kosmetik-Manufaktur zuhause angepasst ist und sich in den meisten Fällen bewährt.

Unabhängig davon gilt immer: Informieren Sie sich über den Emulgator, mit dem Sie arbeiten möchten, und merken Sie sich die Verarbeitungstemperatur, die er benötigt, und eventuell im Rohstoffportrait notierte Besonderheiten.

Schritt 1: Fett- und Wasserphase erhitzen

Rührkurs Schritt 1

Alle Komponenten der Fettphase und das Wasser werden auf der Herdplatte erhitzt. Soweit möglich sollten Sie gerade als Einsteiger die Temperatur kontrollieren und sich an den Hinweisen in den Emulgatorportraits orientieren: Das Öl mit den Emulgatoren muss klar aufgeschmolzen sein und eine dem Emulgator entsprechende Temperatur aufweisen, die in der Regel zwischen 65–85 °C liegt. Keine Angst vor der Temperatur, dieses kurze Erhitzen schadet den Fettkomponenten nicht. Tipp: Ein Bratenthermometer mit metallenem Sensor erledigt das Umrühren und die Temperaturmessung in einem Schritt.

Schritt 2: Emulsion herstellen

Rührkurs Schritt 2

Die auf die gleiche Temperatur erhitzte Wasserphase zur Fettphase geben. Bei kleinen Mengen hat sich bewährt, wie folgt vorzugehen:

  1. Methode: Das Wasser unter Rühren nach und nach in kleinen Schlucken oder in einem dünnem Strahl dazugeben (so kennen viele es noch aus Zeiten der Hobbythek). Sie ist auf der Grafik dargestellt,
    oder
  2. Methode: beide Phasen zusammengießen und dann erst mit dem Emulgieren beginnen. Also: Wasser- ganz in die Fettphase gießen, dann erst emulgieren. Diese Methode nennt man One-Pot-Methode.
Rührkurs Schritt 3


Mit einem Stabmixer (1-2 Min.)
oder einem
elektischen Handrührgerät (4 Min.)
hochtourig dispergieren.

In dieser Zeit zerschlagen wir die Öltröpfchen so klein wie möglich, um eine stabile und homogene Emulsion mit geschmeidigem Auftragsverhalten und angenehmem Hautgefühl zu erhalten.

Rührkurs Schritt 6

Rühren Sie anschließend die Emulsion handwarm. Jetzt bieten sich Rührwerkzeuge mit niedriger Umdrehungszahl an, um eventuell untergeschlagene Luft wieder herauszurühren. Dies kann ein auch ein Spatel sein, mit dem per Hand gerührt wird. Wichtig: Die Emulsion bitte nicht direkt ins kalte Wasserbad stellen, da ansonsten Fettpartikel zu früh auskristallisieren. In unseren kleinen Chargen kühlt die Masse ohne weitere Hilfsmittel schnell ab.

Schritt 3: Bei Handwärme Wirk- und Hilfsstoffe hinzufügen

Rührkurs Schritt 4

Bei Handwärme geben Sie dann, soweit angeben, in etwas Wasser aufgelöste Wirkstoffe, wärmeempfindliche Wirkstofföle, Pflanzentinkturen u. a. hinzu. Optimal ist, zu diesem Zeitpunkt einen Gelbildner in etwas Glycerin (99,5%ig), Öl oder Alkohol (mindestens 70 Vol.-%) zu verrühren und der Emulsion hinzuzufügen. Dispergieren Sie die Emulsion noch einmal kurz kräftig auf, 20–30 Sekunden genügen. Rühren Sie sanft ohne Wasserbad weiter, bis die Emulsion vollkommen abgekühlt ist und geschmeidig, opak und glatt wirkt. Ja, ohne Wasserbad: Unsere kleinen Chargen kühlen von alleine sanft aus. Meine Erfahrung ist, dass sich diese Geduld auszahlt und zu besonders schönen, stabilen Emulsionen führt.

Schritt 4: Konservieren und pH-Wert kontrollieren

Rührkurs Schritt 5

Nun wird die Emulsion auf Wunsch beduftet und anschließend konserviert. Kontrollieren Sie den pH-Wert und stellen Sie ihn bei Bedarf mit Milch- oder Zitronensäure ein. Eine Auswahl an geeigneten naturkosmetik-konformen Konservierungsmitteln finden Sie hier. Rühren Sie Emulsion noch einige Minuten sanft, bis alle Komponenten gleichmäßig eingearbeitet sind. Füllen Sie zum Abschluss die abgekühlte Emulsion in ein desinfiziertes Behältnis.

Optionaler Schritt: Hochtourig nachemulgieren

Bei vielen Emulgatoren kann es sinnvoll sein, die Emulsion noch einmal kurz (1 Minute) hochtourig nachzuemulgieren. Dies führt in der Regel zu einem Konsistenzanstieg und optimiert die Emulsion hinsichtlich Stabilität und Auftragsverhalten. Achten Sie darauf, in dieser Phase keine Luft einzurühren.

Heike

Tipp

Haben Sie Geduld? Es lohnt sich, die Emulsion nach 24–48 Stunden mit einem desinfizierten Spatel noch einmal glatt aufzurühren. Die in dieser Zeit ausgebildeten Emulsionsstrukturen zeigen in ihrer Textur eventuell kleine Inhomogenitäten durch eingeschlagene Luft, die Sie nun sanft herausrühren können. Manchmal verringert sich dadurch das Volumen der Emulsion (das ist die Luft, die man eventuell eingerührt hat), aber sie erhält eine sehr angenehme, homogene Textur. Allerdings sollten Sie in diesem Fall die Emulsion im Becherglas belassen, in dem sie hergestellt wurde, und sie gut verschlossen und kühl ruhen lassen. Dies vermeidet überflüssigen Kontakt mit (möglicherweise kontaminierten) Oberflächen.

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