Emulgator abwiegen: Ein typisches Szenario

Bevor Sie starten …

Rührkurs Teil 1

Die Formulierung ist ausgesucht, die Rohstoffe gekauft – gleich werden Sie Ihr erstes Pflegeprodukt herstellen! Ich begleite Sie dabei, Schritt für Schritt. In diesem Beitrag bereiten wir den Arbeitsplatz vor, damit die Herstellung stressfrei gelingt.

Heike

Sie lernen lieber unter Anleitung?

In meinen Einsteiger-Seminaren begleite ich Sie einen Tag bei Ihren ersten Schritten in einer kleinen Gruppe von 6 Gleichgesinnten. Das Programm für das neue Seminarjahr wird »in normalen Zeiten« jeweils Anfang Januar veröffentlicht. 2021 habe ich mich entschlossen, aufgrund der Corona-Situation keine Seminare anzubieten. Haben Sie Interesse an Seminaren in 2022? Hier können Sie sich unverbindlich in meine Infoliste eintragen und werden Ende 2021 bei Freischaltung der neuen Termine per E-Mail informiert.

Alle Vorbereitungen im Überblick

Schritt 1: Bereiten Sie Ihren Arbeitsplatz vor:

Desinfizieren Sie Ihre Hände, die Arbeitsplatte, alle Gerätschaften (Stabmixeraufsatz, Spatel, Löffel, Bechergläser und andere Behältnisse), die Wägeplatte der Feinwaage sowie Cremedosen oder -flaschen (vor allem die Deckel, in denen sich gerne Reste des vorherigen Inhalts festsetzen). Dazu eignet sich 70%iger Alkohol, alternativ der günstigere Isopropylalkohol. Es reicht, die Utensilien an der Luft trocken zu lassen; der Alkohol verfliegt schnell. Tipp: Füllen Sie den Alkohol in eine kleine Sprühflasche, sodass er schnell und unkompliziert eingesetzt werden kann.

Wenn Sie mehrere Produkte herstellen wollen, lohnt es sich, Bechergläser, metallene Rühraufsätze, metallene Spatel, Löffel, Glasschalen- und -flaschen sowie Metalllöffel 20 Minuten im Dampfdrucktopf zu sterilisieren. Der Energieaufwand ist bei modernen Herden gering, sie sparen Alkohol und haben die Garantie annähernd steriler Utensilien. Vorsicht, viele Kunststoffe sind nicht hitzebeständig und verformen sich.

Legen Sie mit 70%igem Alkohol besprühtes Küchenrollen-Papier aus, auf das die gereinigten Utensilien abgelegt werden können. Bitte berühren Sie nichts mehr mit den Fingern, was mit den Rohstoffen Kontakt hat! Wer Alkohol an den Händen nicht verwenden möchte, kann alternativ Einweghandschuhe anziehen und die Innenflächen kurz mit Alkohol besprühen.

Legen Sie sich einige Küchenrollen-Tücher bereit. Sie können mit ihnen zwischendurch Verunreinigungen der Arbeitsfläche oder der Feinwaage beseitigen.

Heike

Tipp

Legen Sie sich das Rezeptblatt (und einen Stift) bereit – warum den Stift, erkläre ich im farbig unterlegten Informationsblock weiter unten.

Schritt 2: Stellen Sie Ihre Rührutensilien zusammen:

  • 1 Feinwaage zum Abwiegen der Ingredienzien,
  • 2 feuerfeste Gläser (Marmeladengläser, optimal Bechergläser), die man im Wasserbad erhitzen kann. Wenn Sie sich in dieses Hobby »verliebt« haben, werden Sie Bechergläser schätzen, weil sie direkt auf eine (Ceran-)Herdplatte gestellt werden können.
  • Mehrere Löffelchen zum Abwiegen und Entnehmen der Zutaten (Metall, alternativ Kunststoff),
  • einen Stabmixer oder Knethaken zum Emulgieren der Wasser- und Fettphase (ein Schneebesen rührt zu viel Luft unter),
  • ein Thermometer (ein digitales Braten-, Tee- oder Laborthermometer); es ist nicht zwingend notwendig, aber sehr sinnvoll,
  • pH-Messpapier oder -stäbchen zur Korrektur des pH-Werts,
  • Cremedosen, Lotionflaschen usw. für die fertigen Kosmetika, eventuell Klebeetiketten, um sie zu beschriften.
Kernwaage EBM 600

Eine Feinwaage, die mindestens in 0,5-g-Schritten wiegt und mindestens 400 g tragen sollte, gehört zu den wenigen Investitionen, die Sie sich leisten sollten. Für den Einstieg bzw. solange Sie unsicher sind, ob Sie bei diesem Hobby bleiben, reicht eine günstige Feinwaage. Leider sind sie nicht für flüssiges Wiegegut gedacht, und ein wenig ins Gehäuse gelaufenes Öl oder Hydrolat kann sie dauerhaft beeinträchtigen. Wenn Sie bei diesem Hobby bleiben, werden Sie später professionelleres Zubehör bevorzugen; hier empfehle ich Waagen mit 0,1-Gramm-Schritten.

Schritt 3: Wiegen Sie alle Zutaten ab und stellen Sie sie bereit:

Das Wasser: Kochen Sie das für die Rezeptur notwendige Wasser (destilliertes Wasser, weiches (!) Leitungswasser) mindestens 5 Minuten im offenen Topf ab, damit es keimfrei ist. Lassen Sie einen Teil davon abkühlen, wenn sie später temperaturempfindliche Wirkstoffe auflösen wollen.

Wirk- und Hilfsstoffe: Wiegen Sie alle Wirk- und Hilfsstoffe ab, die erst bei Handwärme oder nach Erkalten der Emulsion hinzugefügt werden (z. B. temperaturempfindliche Rohstoffe wie Tocopherol und Panthenol). Sie können sie in einem Gefäß zusammengeben und später zusammen in die handwarme Emulsion streifen. Gießen Sie flüssige Rohstoffe zunächst in einen Löffel und erst von diesem aus ins dafür vorgesehene Gefäß. Trockene Rohstoffe lassen sich bequem mit Löffeln bzw. Löffelspateln dosieren.
Den Gelbildner, soweit vorgesehen, dispergieren Sie separat in ein wenig Alkohol (95 Vol-%), Glycerin (99,5%ig) oder etwas Öl (je nachdem, was die Rezeptur enthält).
Stellen Sie alle Vormischungen beiseite.

Fettkomponenten: Geben Sie alle Fettkomponenten in das andere Glas (flüssige Basisöle, Buttern, Konsistenzgeber wie Wachse oder Cetylalkohol, fettartige Wirkstoffe wie Phytosteryl Macadamiate und Emulgatoren). Es ist als Anfänger sinnvoll, die Zutaten einzeln abzuwiegen anstatt sie direkt auf der Waage zusammenzugießen, manchmal rutscht etwas mehr ins Glas als gewollt. Öle lassen sich gut über einen Löffel dosieren: Erst in den Löffel gießen, dann ins Becherglas. Buttern und in der Konsistenz halbfeste Fette werden bequem mit zwei Spateln abgewogen, die Sie gegeneinander abstreifen.

Konservierungsmittel: Wählen Sie ein Konservierungsmittel und stellen Sie ggfs. Milch- oder Zitronensäure (zur pH-Wert-Regulation) bereit. Diese Rohstoffe fülle ich bevorzugt in Flaschen mit Pipettenaufsatz (Milchsäure) bzw. Gießring ab, um sie kontrolliert dosieren zu können.

Es kann hilfreich sein, die Rohstoffe nach ihrem Einsatz in den einzelnen Herstellungsphasen in Gruppen zu ordnen. Gerade für Einsteiger bietet diese Sortierung Sicherheit bei der Umsetzung.

Heike

Halten Sie Ihre Beobachtungen fest!

Oben gab ich Ihnen den Tipp, Rezeptblatt und Stift bereitzulegen. Beides benötigen Sie später, sobald Ihre erste Emulsion gerührt ist. Nutzen Sie die Reste der Creme oder Lotion, die im Becherglas oder am Spatel vorhanden sind, und notieren Sie sich Ihre Eindrücke auf dem Rezeptblatt: Wie fühlt sich die Emulsion an? Wie verstreicht sie sich? Zieht sie schnell ein oder liegt sie eher wie ein Film auf der Haut? Gefällt Ihnen die Haptik, ist sie geschmeidig, weich, fest, stumpf? Wie ist die Konsistenz? Diese Beobachtungen helfen, Rezepte mit der Zeit und wachsender Erfahrung an eigene Bedürfnisse anpassen zu können – etwas mehr Konsistenzgeber oder eben weniger, kein Wachs mehr, Öle austauschen … Duftkombination gelungen? Sofort notieren!

Prüfen Sie eine Formulierung immer unter den Einsatzbedingungen, für die sie konzipiert wurde. Eine Gesichtscreme sollten Sie immer im Gesicht prüfen, eine Körperlotion am Körper, eine Handcreme an den Händen und eine Fußcreme an den Füßen. Der Grund: Die Charakteristika einer Emulsion müssen zu ihrer Funktion passen, und wir haben im Gesicht, am Körper, an Händen und Füßen unterschiedliche Bedürfnisse. Ich liebe manche Rezepturen als Körpercreme, während sie sich im Gesicht für mich unangenehm anfühlen. Umgekehrt kann eine Creme im Gesicht sehr geschmeidig aufzutragen sein, während sie bei großflächigem Auftrag am Körper plötzlich stoppend wirkt. Der trockene, leichte Schutzfilm einer Handcreme, den wir an den Händen als passend empfinden, erweist sich im Gesicht überraschend als abdichtend wirkende, wachsige Schicht.

Prüfen Sie die Emulsion nach 24–48 Stunden erneut. Direkt nach dem Rühren ist die Bildung der stabilisierenden »Gerüste« innerhalb der Emulsion noch nicht abgeschlossen. Sie muss noch mindestens 24 Stunden »reifen«; richtig ausgebildet ist die innere Struktur oft erst nach mehreren Tagen. Daher: Prüfen Sie die Emulsion nach einer Woche erneut nach oben genannten Kriterien und notieren Sie Ihre Eindrücke. Es lohnt sich: Mit der Zeit entwickeln Sie auf Basis Ihrer Beobachtungen wertvolle Erfahrungen für Ihre weiteren Experimente.

Heike
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