Sie sind bereit, mit der Herstellung Ihres ersten Kosmetikprodukts zu starten? Wunderbar! In diesem Beitrag habe ich für Sie kurz und bündig die wichtigsten Informationen über eine sinnvolle, »gute Herstellungspraxis« in Ihrer heimischen Rührküche zusammengestellt – kurz: Die »Dos and Don’ts« der DIY-Kosmetik. Bitte lesen Sie diese Übersicht, bevor Sie loslegen.

Dossier »Konservierung«
- Kosmetik konservieren?
- Hygienisch arbeiten
- Den pH-Wert-kontrollieren
- Frei von Konservierungsmitteln?
Das sollten wir tun
Desinfizieren Sie alle Gefäße, Utensilien, den Arbeitsplatz.
Großzügiges Besprühen aller (vorher gereinigten) Gerätschaften und Werkzeuge mit 70%igem Ethanol und anschließendem Lufttrocknen auf ethanolgetränktem Zellstoffpapier bieten einen guten Schutz. Das Säubern in der Geschirrspülmaschine ist eine gute Vorreinigung, ersetzt jedoch nicht nachträgliche Sterilisierungsschritte! Tipp: Im Schnellkochtopf lassen sich Bechergläser, Glasflaschen, -tiegel und -stäbe sowie metallene Spatel u. ä. 20 Minuten bei 120 °C sterilisieren. Eine preislich günstige Alternative zu Ethanol ist Isopropylalkohol. Auch hier ist eine 70%ige Konzentration optimal (streng genommen 69 Vol.-%, aber die kleine Aufrundung wird den Mikroorganismen nichts nutzen).
Ist ein Sterilisieren im Schnellkochtopf nicht möglich, können Sie Ihre Flaschen mit einer geringen Menge an 70%igem Ethanol befüllen und den Verschluss (Lotionpumpe, Zerstäuber, Deckel) aufdrehen. Rotieren Sie die Flasche, sodass alle Wände mit Ethanol benetzt werden, und bestätigen Sie die Lotionpumpe oder den Zerstäuber, damit das Ethanol den Verschluss von innen spült. Vor dem späteren Befüllen der Flasche leeren Sie den Ethanolrest aus (eventuell auf ein Zellstofftuch, das man anschließend noch zur Flächenreinigung nutzen kann).
Desinfizieren Sie die Hände mit 70%igem Isopropylalkohol oder Ethanol.
Optimal ist das Tragen von Einmal-Handschuhen (die man durchaus mehrfach verwenden kann). Ihre behandschuhten Hände sollten vor dem Start in die Herstellungspraxis kurz mit 70%igem Ethanol oder Isopropylalkohol besprüht werden.
Kochen Sie das Wasser mindestens 5 Minuten sprudelnd ab.
Sie können Leitungswasser verwenden, wenn es weich ist (Härtegrad 1) und Sie privat und in kleinen Mengen rühren, die innerhalb von 4–6 Wochen aufgebraucht sind – und nur dann. Professionelle Kosmetikhersteller verwenden ausschließlich destilliertes bzw. demineralisiertes Wasser. Grund: Metallionen im Wasser können unter Sauerstoffeinfluss freie Radikale bilden und z. B. mit ungesättigten Pflanzenölen, aber auch mit anderen sauerstoffempfindlichen Duft-, Farb- oder Wirkstoffen reagieren und reaktive, irritationsfördernde Oxidationsprodukte bilden. Dieser Prozess kann durch sogenannte Komplexbildner (auch »Chelatbildner« genannt), die sich an Metallionen binden und sie inaktivieren, deutlich verlangsamt werden. Komplexbildner wirken naturgemäß effizienter, wenn das verwendete Wasser weitgehend salzfrei ist. Bewährte Naturkosmetik-konforme Komplexbildner sind u. a. Zitronensäure (Citric Acid) und Phytinsäure (Phytic Acid, ).
Im Handel gibt es sowohl destilliertes wie auch durch Umkehrosmose demineralisiertes Wasser (»Aqua destillata« oder »Aqua purificata«) in Kanistern. Ich rate dazu, auch destilliertes oder mit Umkehrosmose hergestelltes Wasser vor Gebrauch grundsätzlich abzukochen: Es sind entsalzt, aber nicht zwingend keimfrei – spätestens nach Anbruch des Gebindes ist Keimfreiheit nicht mehr gegeben.
Gekaufte unkonservierte Hydrolate sollten Sie optimal kurz aufkochen, zumindest jedoch direkt in die erhitzte Wasserphase einwiegen. Sie können nach meinen Erfahrungen leider bereits verkeimt sein. Spätestens nach dem ersten Öffnen – das haben mir vorliegende Laboranalysen ergeben – verkeimen sie innerhalb kurzer Zeit.
Halten Sie die Arbeitsfläche peinlich sauber.
Legen Sie Ihre Arbeitsfläche neben der Waage bzw. dem Rührgerät mit alkoholgetränktem Zellstoffpapier aus, um desinfizierte Gegenstände abzulegen. Je nach Material Ihres Arbeitstisches können Sie diesen auch direkt mit 70%igem Isopropylalkohol oder Ethanol desinfizieren und als Ablage nutzen.
Verwenden Sie einwandfreie, frische Rohstoffe.
Überalterte Rohstoffe unterliegen Zersetzungsprozessen, die wir nicht unbedingt sehen oder riechen können. Auch Spaltprodukte von Rohstoffen können irritative Wirkungen zeigen, im harmlosesten Fall eine Formulierung misslingen lassen. Lagern Sie Rohstoffe gut verschlossen, trocken und in der Regel kühl (ideal: 9–14 °C) bzw. bei Zimmertemperatur. Entnehmen Sie Rohstoffe nur mit desinfizierten Utensilien aus ihren Gebinden – Hautkontakt ist tabu.
Kennzeichnen Sie jedes Produkt mit einem kleinen Etikett des Herstellungsdatums.
Dies hilft, um die begrenzte Haltbarkeit im Blick zu haben.
Das sollten wir vermeiden
Konservieren Sie direkt nach der Herstellung, nicht erst Tage später.
Mittlerweile kann aufgrund der fehlenden oder unzureichenden Konservierung die Keimbelastung schon so deutlich angestiegen sein, dass keine minimale Hemmkonzentration des Konservierers mehr erreicht werden kann. Konserviert wird grundsätzlich direkt nach der Herstellung.
Erwärmen Sie eine fertige Emulsion nicht noch einmal.
Bei der Herstellung bringen wir – da wir zuhause nicht steril arbeiten können – naturgemäß eine gewisse Anzahl Keime in das Produkt. Eine leichte Erwärmung fördert mikrobielles Wachstum, eine notwendige Wiedererhitzung ≥ 80 °C kann sensible Rohstoffe inaktivieren oder ihre Zersetzung begünstigen.
Verwenden Sie Deckel mit Inlay und Lotionpumpen/Zerstäuber nicht mehrfach.
Lotionpumpen und Zerstäuber sind in ihrem inneren Aufbau komplex und bestehen aus verschiedenen Materialien und Kleinteilen wie Federn und Metallkugeln, die eine Reinigung erschweren. Sie sollten daher grundsätzlich Einweg-Artikel sein. Im Deckel-Inlay eines Tiegels können sich ebenfalls Produktreste absetzen, die die neue Charge kontaminieren. Tipp: Nach der ersten Verwendung die Einlage entfernen und den Deckel »nackt« weiterverwenden. Neue Lotionpumpen und Zerstäuber vor Gebrauch mit 70%igem Ethanol durchspülen, Deckel innen tropfnass einsprühen und trocknen lassen.
Vermeiden Sie den nachträglichen Zusatz von Ingredienzien zu einem fertigen Produkt.
Bitte ergänzen Sie keine Rohstoffe in einem fertigen, in sich stimmig konzipierten Produkt. Damit verändern Sie die Anteile der Komponenten und die Gesamtmenge des Produkts, auf die das vorhandene Konservierungskonzept abgestimmt war. Wenn Sie nicht wissen, was exakt im Produkt enthalten ist, kann es zudem zu Inkompatibilitäten kommen. Schließlich können ergänzte Ingredienzien den pH-Wert des Endprodukts ändern, der wiederum Auswirkungen auf die Wirksamkeit des konservierenden Systems oder die Stabilität mancher Rohstoffe haben kann.
Entnehmen Sie Ihre kosmetischen Produkte nicht mit den Fingern.
Bevorzugen Sie Airless-Spender, Pumpspender, Tuben oder verwenden Sie zur Entnahme – wenn aufgrund der hohen Viskosität andere Spendersysteme nicht infrage kommen – aus einem Tiegel einen desinfizierten Spatel.
Vermeiden Sie, Ihre kosmetischen Produkte im Badezimmer der Sonne und höheren Temperaturen auszusetzen.
Gerade ihre Komposition aus organischen, natürlichen Inhaltsstoffen machen naturkosmetische Pflegeprodukte anfällig für Verderb, insbesondere in feuchter und warmer Umgebung, wie sie für das Badezimmer typisch ist. Wählen Sie den besten Platz, den Sie dort finden können, das bedeutet optimal vor Licht geschützt und am kühlsten Ort, der vorhanden ist. Tabu ist die sonnige Fensterbank oder ein Platz in Heizungsnähe.
