Aloe-Mandel-Körperbutter

Der Aufbau einer Emulsion

Dossier »Emulsionen herstellen« Teil 1

Das Herstellen der eigenen Naturkosmetik umfasst viele mögliche Produkte, vom Kräuter-Gesichtswasser über eine milde Reinigungsmilch oder eine sahnige Körperlotion bis hin zum duftenden Hautöl. Das kosmetische Produkt, das in der Liste der Wunschprodukte in der Regel an erster Stelle steht, ist eine Pflegecreme für das Gesicht. Kurz: Wer vom Naturkosmetik-Selbermachen spricht, meint oft vor allem das Herstellen von Emulsionen, einem Produkttyp, bei dem Wasser und Fette mit einem Emulgator verbunden sind. Aus diesem Grund konzentriere ich mich im Folgenden auf den charakteristischen Aufbau einer Emulsion und Unterschiede zwischen verschiedenen Produkttypen.

Damit Sie übliche Rezepturen für Cremes und Lotionen nachvollziehen können, möchte ich Ihnen zunächst den Aufbau einer Emulsion erläutern. Cremes und Lotionen bestehen im Wesentlichen aus folgenden Hauptkomponenten:

Phasen einer typischen Emulsion

Fettphase

  • Öle und Buttern
  • Emulgatoren
  • Konsistenzgeber
    • Cetylalkohol
    • Cetylpalmitat
    • Cetearylalkohol
    • Myristylalkohol
    • Wachse
  • weitere Lipide
    • Avocadin®
    • Phytosteryl Macadamiate
    • Ceramide
    • Gamma-Oryzanol

Wasserphase

  • Wasser
  • Wirk- und Hilfsstoffe
    • Wirkstoffe
    • Gelbildner
    • Konservierungsstoffe
    • pH-Wert-Regulatoren
    • Antioxidantien
    • Duftstoffe

Erläuterungen zu den Phasen

Die Fettphase:

Öle bilden das Herz unserer Pflegeemulsionen. Buttern gestalten eine Emulsion im Hautgefühl reichhaltiger und rückfettender.

Sind festere Cremekonsistenzen gewünscht, plant man konsistenzgebende Wachse, Wachsester und Fettalkohole ein, die die Viskosität einer Emulsion erhöhen, z. B. Cetylalkohol, Cetylpalmitat (»Walratersatz«), Glycerolmonostearat, Behenylalkohol und Myristylmyristat. Der Vorteil ist, dass diese sogenannten Fettalkohole und Wachsester die Stabilität einer Emulsion verbessern: Sie »koemulgieren«. Wachse (Bienenwachs, Mimosen-, Reiswachs usw.) geben ebenfalls spürbar Konsistenz. Wir setzen sie in der Regel aus haptischen Gründen in sehr geringen Dosierungen von 0,5–1 % ein.

Unsere naturkosmetischen Emulgatoren auf Basis auf pflanzlicher Fette (in der Regel Kokos- und Palmkernöl, selten Rapsöl) werden ebenfalls zur Fettphase gerechnet. Zu den Emulgatoren zählen daneben auch Lecithine, Lanolin und Wollwachsalkohol.

Squalan sowie Phytosterole (Avocadin®, Phytosteryl Macadamiate u. a.) rechnen wir ebenfalls zu den Fettstoffen. Sie gelten als Emollentien, d. h. die Haut weich machende Rohstoffe.

Die Wasserphase:

Zur Wasserphase zählen im Wesentlichen alle wässrigen Komponenten wie Wasser und Flüssigkeiten, die dieses teilweise ersetzen, z. B. Hydrolate.

Rein rechnerisch werden Wirk- und Hilfsstoffe (wasser-, manchmal auch fettlösliche Wirkstoffe, Konservierungsstoffe, pH-Wert-Regulatoren und Antioxidantien (Substanzen, die die Oxidationsneigung von Lipiden mindern) sowie Duftstoffe und Gelbildner) subsummierend zur Wasserphase gezählt.

Das richtige Produkt für Ihre Haut

An erster Stelle entscheiden Sie, welche Phasenanteile an Fett und Wasser überhaupt zu Ihrer Haut passen. Die folgende Auflistung nennt klassische Produkttypen und ihre bevorzugte Eignung für bestimmte Hautsituationen. Sehen Sie die Angaben als Orientierung für die Auswahl der verfügbaren Basisrezepturen. Die meisten kommerziellen Produkte liegen übrigens in einem Fettphasenbereich von 15–30 %, selten höher. Die Aloe-Mandel-Körperbutter, die Sie auf dem Artikelfoto sehen, stammt aus meinem Verlagsbuch »Naturkosmetik selber machen«. Sie ist eine sehr reichhaltige Körpercreme mit 38 % Fettphase und entspricht dem letzten Typus, der in der folgenden Auflistung notiert ist:

Serum, leichtes Hydrodispersionsgel (5–10 % Fettphase)

Vorwiegend niedrigviskose Öle, keine bis geringe Anteile an Konsistenzgebern, selten Wachse. Mit 0,8–1,2 % Gelbildner stabilisiert (sehr schön ist Siligel®), alternativ 2,5–3 % Bergamuls® ET 1. Bei Tendenz zu fettender, unreiner Haut kann Natipide® II (Lipodermin) sinnvoll sein. Dieser Produkttyp eignet sich als Solo-Pflege für fettende, unreine Hautzustände und als Feuchtigkeitsserum für normale und trockene Haut, das z. B. mit einem Öl ergänzt wird.

Reichhaltiges Hydrodispersionsgel, Cremefluid (10–20 % Fettphase)

Vorwiegend Öle und geringer Zusatz an Buttern, geringe Anteile (bis 1 %) an Konsistenzgebern, keine oder geringe Menge (bis 1 %) Wachse. Mit Gelbildner stabilisiert. Bei Tendenz zu fettender, unreiner Haut kann Natipide® II (Lipodermin) sinnvoll sein. Eventuell Einsatz von Emulprot®, Sucrosestearat und/oder Phospholipon® 80 H (ca. 2–3 %). Eignet sich als Solo-Pflege für fettende Hautzustände und Mischhaut, als Feuchtigkeitspflege für normale und leicht trockene Haut (letztere kann mit etwas Hautöl oder einem Oleogel gezielt zusätzliche Lipide angeboten bekommen), als Gelmaske oder leichtes Körperfluid.

Lotion, Cremefluid, leichte Creme (15–25 % Fettphase)

Vorwiegend Öle, Buttern und geringe Anteile an konsistenzgebenden Lipiden (1–1,5 % Fettalkohole und Wachsester), kein bis geringer Wachsanteil, d. h. 0,5–1 %). Mit 0,2–0,4 % an Gelbildnern stabilisiert. Eignet sich als Solo-Pflege für normale, leicht fettende Hautzustände, für Mischhaut oder für zu Unreinheiten neigende reife Haut. Typischer Fettphasenbereich für Körperlotion.

Feuchtigkeitscremes, »Tagescremes« (25–35 % Fettphase)

Öle und Buttern (20–30 % Butteranteil auf die Öle gerechnet), mittlerer Anteil an Konsistenzgebern (1,5–3 % Fettalkohole und Stearate), geringer Wachsanteil (0,5–1,5 %). Eignet sich als Tages- oder Nacht-Pflege für normale und leicht trockene Hautzustände und als reichhaltige Körperlotion bzw. leichte Körpercreme.

Reichhaltige Cremes, »Nachtcremes«, Körpercremes (ab 35 % Fettphase)

Öle und höherer Butter-Anteil, Zusatz konsistenzgebender Lipide (Fettalkohole, Stearate, Wachse, Stearinsäure usw.). Eignet sich als Tages-Pflege für trockene Hautzustände oder als Nachtpflege für normale bis leicht trockene Hautzustände, für Crememasken oder Körpercremes.

Heike
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